Trauer und Wut in Augsburg

Nach dem tödlichen Angriff junger Männer auf einen Passanten in Augsburg will die Polizei an diesem Montag die Öffentlichkeit über weitere Erkenntnisse informieren. Die Ermittler nahmen bis Sonntagabend sechs Verdächtige fest, die mit dem gewaltsamen Tod des Feuerwehrmannes in Verbindung stehen sollen. Am Montag wurde auch der letzte Gesuchte festgenommen.

Debatte über Gewalt

Der getötete 49-Jährige war mit seiner Frau und einem befreundeten Paar am Freitagabend in der Augsburger Innenstadt unterwegs, als die Paare auf die Gruppe stießen. Es kam zum Streit – warum, ist noch unklar. Warum mal wieder eine verbale Auseinandersetzung in Gewalt statt Worte mündete, darüber wird in Deutschland diskutiert. Dies auch deshalb, weil zumindest die beiden mutmaßlichen Haupttäter Migrationshintergrund haben.

Unser aller Mitgefühl gebührt den Angehörigen des Feuerwehrmanns, der am Freitagabend Opfer eines brutalen Angriffs geworden ist.

Markus Söder

„Wir alle sind erschüttert über die schreckliche Gewalttat in Augsburg. Unser aller Mitgefühl gebührt den Angehörigen des Feuerwehrmanns, der am Freitagabend Opfer eines brutalen Angriffs geworden ist“, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Er beklagte die „zunehmende Gewaltbereitschaft in unseren Städten“. Der Ministerpräsident forderte: „Wir müssen uns aber weiter überlegen, wie wir der Gewalt, die in Innenstädten zunimmt, entgegenwirken könne, sei es durch Polizeipräsenz oder durch andere Maßnahmen.“

Aus einer Gruppe heraus ein Opfer angreifen und niederschlagen. Passiert in brutaler Regelmäßigkeit.

Hubert Aiwanger

In den sozialen Medien äußern viele Bayern ihre Trauer und Wut. Auch wenn die Einzelheiten noch nicht bekannt sind: sinnlos und völlig unangebracht war die Gewalt in jedem Fall. „Aus einer Gruppe heraus ein Opfer angreifen und niederschlagen. Passiert in brutaler Regelmäßigkeit“, erklärte der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger auf Twitter. „Wir müssen Ursachen dieser Fehlentwicklung analysieren und gezielt bekämpfen. Das darf nicht zur Normalität werden!!!!“

„Wir können versuchen, das Geschehene zu verstehen. Doch begreifen werden wir es wohl nie können“, schreibt die Deutsche Feuerwehr-Gesellschaft in einer Pressemitteilung. „Einen Kollegen so plötzlich und auf diese Art zu verlieren, ist schwer zu begreifen und zu verarbeiten.“ Am heutigen Montag um 18 Uhr sollen an sämtlichen Rettungs- und Feuerwachen des Landes Kerzen aufgestellt werden.

Noch viele Fragen offen

Beim mutmaßlichen Haupttäter handelt es sich nach Angaben der Behörden um einen in Augsburg geborenen 17-Jährigen mit deutscher, türkischer sowie libanesischer Staatsangehörigkeit. Ein zweiter Festgenommener ist ebenfalls in Augsburg geboren, 17 Jahre alt und hat eine italienische Staatsbürgerschaft. Beide gelten – auch dies keine Seltenheit bei Gewalttätern – als polizeibekannt, am Montag sollen sie beim Amtsgericht dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Selbst gestellt hat sich der Polizei außerdem ein 19-jähriger Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund. Zu den anderen vier wurden zunächst keine Details verbreitet, außer dass es junge Männer sind.

Was mich wirklich aufgewühlt hat, ist, dass in Augsburg ein friedfertiger Bürger totgeschlagen wurde, schlichtweg totgeschlagen wurde.

Horst Seehofer

Zum Hergang ist bisher lediglich bekannt, dass einer der jungen Männer aus der Gruppe dem Mann vor den Augen seiner Frau gegen den Kopf schlug. Das Opfer, auf dem Heimweg vom Weihnachtsmarkt, stürzte und blieb am Boden liegen. Auch der 50-jährige Begleiter wurde geschlagen und im Gesicht verletzt. Notärzte versuchten, den 49-Jährigen wiederzubeleben – jedoch ohne Erfolg. Der Mann starb noch im Rettungswagen.

Augsburg trauert

Nach der tödlichen Attacke herrschten in der Stadt am Wochenende Trauer und Entsetzen. Etwa 100 bis 150 Feuerwehrleute gedachten am Sonntag ihres getöteten Kollegen. Die Mitglieder der Berufsfeuerwehr fanden sich am Tatort, dem zentralen Königsplatz, zu einem stillen Gedenken ein. Kerzen wurden angezündet und Blumen niedergelegt. Auch viele Augsburger haben Blumen, Kränze, Kerzen und Grablichter am Tatort drapiert. Passanten blieben sichtlich erschüttert stehen

Die Gewalttat ist bestürzend und macht fassungslos.

Kurt Gribl, Augsburger Oberbürgermeister

Die Tat löste auch bundesweit Entsetzen aus. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte: „Was mich wirklich aufgewühlt hat, ist, dass in Augsburg ein friedfertiger Bürger totgeschlagen wurde, schlichtweg totgeschlagen wurde. So etwas wühlt mich auf.“ Bayerns Ministerpräsident Söder sprach den Angehörigen des Feuerwehrmanns sein Mitgefühl aus.

Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zeigte sich erschüttert: „Trauer macht mein Herz schwer.“ Die Stadt sei Schauplatz einer folgenschweren Gewalttat geworden, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. „Die Gewalttat ist bestürzend und macht fassungslos“, so Gribl. Er rief dazu auf, „solidarisch Haltung zu zeigen und sich zu Gewaltfreiheit und unseren Werten zu bekennen“. „Wir sind fassungslos, wie diese Tat so eskalieren konnte. Unser Vertrauen gilt jetzt den Rechtsbehörden und der Augsburger Kriminalpolizei, die bereits durch kompetente Ermittlungsarbeit schnell die Verdächtigen ausfindig machen konnte“, erklärte Bernd Kränzle, CSU-Fraktionsvorsitzender im Augsburger Stadtrat im BR.

Videoaufnahmen führen zu den Tätern

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zeigte sich bestürzt: „Der schreckliche Angriff hat viele Menschen in Augsburg und weit darüber hinaus erschüttert.“ Er lobte die Augsburger Beamten: „Umso wichtiger war der schnelle Fahndungserfolg der Augsburger Kriminalpolizei.“ Unter anderem hatten Videoaufnahmen zu den Verdächtigen geführt. Nach dem Verbrechen sollen Zeugen zufolge insgesamt sieben junge Männer vom Tatort geflohen sein.

Herrmann hob die Bedeutung der Videoüberwachung bei der Festnahme der Verdächtigen hervor. „Die Bilder haben die Arbeit der Polizei deutlich erleichtert“, sagte der CSU-Politiker der Zeitung Augsburger Allgemeine. Die Kameraüberwachung am Königsplatz, dem zentralen Bus- und Tram-Knotenpunkt der Stadt, war im Zuge eines Landesprogramms erst im Dezember 2018 ausgeweitet worden, wie die Zeitung berichtete. Seitdem überwache die Polizei mit 15 Kameras das Areal, wo sich die Tat ereignete. Der Minister schränkte aber ein: „Wir wollen keine totale Überwachung, das gibt es nur in autoritären Staaten.“ Entscheidender sei es, bei der Frage anzusetzen, warum es überhaupt zu solchen Gewaltexzessen im öffentlichen Raum komme.

Kritik an der fehlenden öffentlichen Fahndung nach den Tätern wies die Augsburger Polizei gegenüber dem Bayerischen Rundfunk zurück: „Wenn wir schnell die Fotos veröffentlicht hätten, hätte die Gefahr bestanden, dass wir die Ermittlungen dadurch gefährden“, so Markus Trieb, der Augsburger Polizeisprecher. Sie war auch nicht notwendig, weil die polizeibekannten Tatverdächtigen auf den Videoaufnahmen vom Augsburger Königsplatz anscheinend klar zu erkennen sind.

(dpa/BR/BK)

Der Beitrag Trauer und Wut in Augsburg erschien zuerst auf Bayernkurier.

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