Erdogan schiebt IS-Anhänger nach Deutschland ab – Sicherheitsrisiko?

Von Manuel Freund | Die Türkei und ihr Präsident Erdogan haben es sich in den letzten Monaten nicht selten zum Spaß gemacht, den Spieß einfach mal umzudrehen. Deutsche Medien üben flächendeckend Kritik an türkischen Führungspolitikern wie Erdogan – kurze Zeit später hetzten türkische Medien massenhaft gegen Merkel. In Deutschland gibt es vermehrt Proteste gegen die korrupten Zustände in der Türkei – zwei Wochen später stehen türkische Jugendliche mit „Merkel ist korrupt“-Schildern auf der Straße. Und selbst als Deutschland eine Reisewarnung für die Türkei ausgesprochen hat, da dauerte es nicht lang und Erdogan warnt Türken vor Reisen nach Deutschland. 

All diese Sticheleien gipfeln nun in einem Geniestreich. Die Türkei schiebt nun Deutsche nach Deutschland ab. Das Problem dabei: Es werden primär bzw. nur Deutsche aus der Türkei abgeschoben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit der Terrormiliz Islamischer Staat angehören oder zumindest Kontakte zu dieser haben. Die Türkei hatte mit ihrem Vormarsch in Nordsyrien gegen die kurdische Armee YPG erst für die Freiheit vieler gefangener IS-Mitglieder gesorgt, die vielen kurdischen Gefängnissen saßen. Viele konnten im Chaos der türkischen Militäroffensive fliehen.

Bei den abgeschobenen selbst handelt es sich nicht nachweislich um direkte IS-Kämpfer. Nur eine Mitgliedschaft und Mitwirkung kann man gesichert feststellen. Die Türkei verhaftete die Familie, bestehend aus vier Frauen, zwei Männern und einem Baby, wenige Monate vorher. Den Grund, weswegen die Türkei die Familie in Abschiebehaft steckte, wollte das türkische Außenministerium nicht preisgeben. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass die Personen ein extremistisches Sicherheitsrisiko darstellen könnten.

Laut Erdogan soll es allerdings nicht bei diesen sieben abgeschobenen IS-Anhängern bleiben. Gestern erst sind zwei weitere Frauen mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht worden. In türkischen Gefängnissen befinden sich laut Angaben Ankaras über 1000 IS-Anhänger, davon 737 Ausländer. Diese sollen nun nach und nach in ihre Heimatländer zurückgeführt werden. Nur mal so: Als die USA deutsche IS-Kämpfer von den eigenen Hochsicherheitsgefängnissen in die deutschen bringen wollte, hat die Bundesregierung direkt abgeblockt – aber Menschen, die sich dem IS angeschlossen hatten, laufen jetzt bald frei in Deutschland herum. 

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