Von Sachbeschädigung bis Körperverletzung: Gewalt in Wohnquartieren nimmt zu

Das Zusammenleben verschlechtert sich: Immer öfter muss die Polizei ausrücken, um Streit zwischen Nachbarn zu schlichten

In jedem zweiten deutschen Wohnquartier hat sich die Lage in Bezug auf das Zusammenleben in den letzten fünf Jahren verschlechtert. Laut einer Studie kommt es dort immer häufiger zu Konflikten und Gewalt. Diese reichen von Sachbeschädigung bis hin zu Körperverletzung. Zudem äußern Wohnungsunternehmen Bedenken hinsichtlich der Migration.

Es kommt zu Sachbeschädigungen, Mieter beschimpfen sich gegenseitig oder gehen sich sogar körperlich an: In deutschen Wohnquartieren nimmt die Gewalt zu. Das ist das Ergebnis der Studie »Herausforderung: Zusammenleben im Quartier« des Forschungsinstituts »Minor Wissenschaft und Gesellschaft mbH« im Auftrag des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Demnach meldete unter den 234 bundesweit untersuchten Wohnquartieren mit 885.183 Wohnungen lediglich ein Wohnungsunternehmen keine Verstöße gegen die Hausordnung und auch keine verbalen Auseinandersetzungen. Hingegen hätten 54 Prozent der Großvermieter angegeben, dass die Aggressivität unter den Mietern zugenommen habe. Laut Studie habe nahezu jedes dritte Wohnungsunternehmen von gewalthaften Konflikten zwischen Mietern und Mitarbeitern der Wohnungsunternehmen berichtet. 93,2 Prozent der Wohnungsunternehmen hätten von Sachbeschädigungen berichtet. Zudem komme es in jedem vierten Quartier häufig zu Demolierungen, heißt es in der Studie weiter. Körperverletzungen kämen zwar selten vor, in Mittelstädten mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern melde aber immerhin fast jedes zehnte Wohnungsunternehmen Auseinandersetzungen, die in körperlicher Gewalt münden.

Die Gründe für die steigende Konfliktrate seien vielfältig: In kleineren Städten und auf dem Land seien die Mieter immer häufiger unzufrieden, weil das Zusammenleben mit anderen Mietern anonymer werde, so die Studienmacher. Jüngere Menschen zögen weg, die Infrastruktur vor Ort sei oft nicht zufriedenstellend, heißt es in der GdW-Studie weiter. Zurück bleibe der Frust – gepaart mit Altersarmut. Ältere Menschen würden sich aufgrund drohender Altersarmut ihre Miete nicht mehr leisten können, sodass Verdrängung eine Folge sei.

Wohnungsunternehmen äußern Bedenken hinsichtlich der Migration

In den Großstädten zeigten sich die Unternehmen besorgt bezüglich der Migration. Laut den Wohnungsunternehmen steht die Migration in einem Zusammenhang mit ethnisch motivierten Konflikten: »Die Anforderungen an Politik und Wohnungswirtschaft sind enorm. Insbesondere die Integrationsaufgaben steigen und sind eine nationale Daueraufgabe, die gerade vor Ort in den Quartieren stattfindet. Daher ist ein Innovationsprogramm zur Finanzierung von Forschung und Modellprojekten zur Stärkung des Zusammenlebens und der Teilhabe im Quartier unumgänglich«, fordert GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Viele Konfliktsituationen hätten Ursachen, die die Vermieter allein nicht lösen könnten. So stünden die niedrigen Löhne im Gegensatz zum Druck der Branche, angesichts steigender Baukosten und höherer Bewirtschaftungskosten für die Immobilien die Mieten erhöhen zu müssen, so der GdW-Präsident weiter.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rund 6 Millionen Wohnungen, in denen über 13 Millionen Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

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