„Der Boom ist endgültig beendet“

Die Stimmung bei Bayerns Unternehmen trübt sich weiter ein. Das ist das Ergebnis der Herbst-Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Seit Mai hat der BIHK-Konjunkturindex demnach elf Zähler eingebüßt. Dies sei der stärkste Rückgang seit Herbst 2011. Seit dem Höhepunkt des Booms Anfang 2018 sei das Konjunkturbarometer fünf Mal in Folge gefallen und habe insgesamt 23 Punkte verloren, so der BIHK. Für sein Konjunkturbarometer befragt der Handelskammertag rund 3.700 Unternehmen in Bayern.

Das Ende des Aufschwungs

„Der Boom ist endgültig beendet, der seit 2012 andauernde Aufschwung ist vorbei“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Alle Signale deuten auf eine gesamtwirtschaftliche Stagnation. Die Wirtschaft wird nur noch vom privaten Konsum gestützt. Die Industrieproduktion sowie das Auslandsgeschäft der bayerischen Unternehmen sind bereits im Minus.“

Es ist nun höchste Zeit, die Standortbedingungen für die Unternehmen zu verbessern.

Manfred Gößl, BIHK-Hauptgeschäftsführer

Die stark exportorientierte bayerische Wirtschaft, insbesondere die Industrie, werde von einem Mix von Störfaktoren verunsichert. Dazu gehörten die schwelenden Handelskonflikte zwischen China, USA und Europa, die bislang unklaren Brexit-Szenarien und ein weltweit abflauendes Wirtschaftswachstum. „Außerdem steckt Bayerns Leitbranche, die Automobilindustrie mitsamt ihren mittelständischen Zulieferern, in einem fundamentalen Wandel“, sagt Gößl.  „Alternative Antriebe, autonomes Fahren, vernetzte Fahrzeuge und neue Mobilitätsangebote sind nicht nur Herausforderungen, sondern auch Faktoren der Verunsicherung bei Produzenten und Verbrauchern.“

Skeptische Prognosen

Aktuell würden noch 46 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Lage als gut bewerten, nur elf Prozent seien aktuell unzufrieden, teilt der BIHK mit. Alarmierender seien die Angaben zu den Geschäftserwartungen: Erstmals seit sieben Jahren überwiege laut der Umfrage der Anteil der Firmen, die schlechtere Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten erwarten. Diesen 22 Prozent der Befragten stehen nur 17 Prozent gegenüber, die optimistisch sind.

In der Industrie fallen demnach die Geschäftserwartungen besonders trüb aus: 28 Prozent der Betriebe erwarten Rückgänge, nur 15 Prozent Zuwächse. Dagegen halten sich bei Dienstleistern und im Groß- und Einzelhandel Optimisten und Pessimisten noch die Waage. Im Baugewerbe kommt es dem BIHK zufolge zu einer etwas stärkeren jahreszeitlich typischen Eintrübung, aber auf immer noch hohem Niveau.

Das Gebot der Stunde zur Wiederbelebung der Konjunktur sind Anreize für Investitionen.

Manfred Gößl

„Es ist nun höchste Zeit, die Standortbedingungen für die Unternehmen zu verbessern und eine aktive, wettbewerbsorientierte Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Das Gebot der Stunde zur Wiederbelebung der Konjunktur sind Anreize für Investitionen“, fordert Gößl. Deutschland sei ein Höchststeuerland. Deshalb müsse der Steuersatz für einbehaltene Gewinne von derzeit über 30 Prozent auf das international übliche Niveau von 25 Prozent gesenkt werden.

Als Sofortmaßnahme für eine schnellere Digitalisierung empfiehlt Gößl realitätsnahe und damit deutlich kürzere Abschreibungszeiträume für die Anschaffung von Hard- und Software. Ebenso müsse die Wertgrenze für sofort vollständig abschreibungsfähige Güter, die sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgüter, von 800 auf 1.000 Euro angehoben werden.

Ein Deckel für den Strompreis

Zudem sei Deutschland das Land mit den weltweit höchsten Strompreisen. Gerade die stromkostenintensive Industrie brauche einen verlässlichen und wettbewerbsfähigen Industriestrompreis, der 40 Euro je Megawattstunde nicht überschreiten dürfe. Dazu sollten die besonders restriktiven deutschen Regelungen bei der Belastung mit Stromsteuern und -abgaben auf EU-Mindestniveau angeglichen werden. „Mit solchen Maßnahmen für faire Wettbewerbsbedingungen kann die Politik klare und glaubwürdige Anti-Rezessionssignale an die Wirtschaft schicken“, so der BIHK-Chef.

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