Die Revolution der Luftfahrt

Als Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) Anfang 2018 in einem Interview das Thema Flugtaxis ansprach, weil sie bei Digitalisierung nicht immer nur über Breitbandausbau sprechen wollte, sorgte das in den sozialen Medien und bei Medienmachern für viel Hohn. Die Spötter sind verstummt. Das liegt auch an der Firma Lilium.

Die Aufregung über Doro Bär zeigt unser Problem: Kaum denkt eine Politikerin weiter, (…) hagelt es dumme Kommentare. Diese ‚Erst-dann‘-Bedenkenträger gefährden Deutschlands Zukunft.

Frank Thelen

Das fünfsitzige Flugzeug des Elektro-Flugtaxi-Herstellers Lilium habe seine erste Testphase mit Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern erfolgreich absolviert und beginne jetzt Tests bis zur Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h, teilte das Unternehmen mit. Als Leiter des Flugprogramms habe Lilium den früheren Airbus-Manager Yves Yemsi gewonnen, der zuvor am A350 mitgearbeitet habe.

Der Jet entwickelt sich





Lilium-Chef Daniel Wiegand sprach von „geplant schnellen Fortschritten bei der Erprobung“. Das Unternehmen sei auf Kurs. Das Ziel sei es, ab 2025 einen Passagierbetrieb an mehreren Standorten weltweit zu gewährleisten. Mit den für mehr Auftrieb sorgenden Tragflächen sei der E-Jet effizienter als mit Rotoren angetriebene Flugzeuge, so Wiegand mit einem Seitenhieb auf den Konkurrenten Volocopter, und mit 300 Kilometer Reichweite übertreffe der Jet die meisten Konkurrenten.

Wir machen wie geplant schnelle Fortschritte mit der Erprobung des Lilium Jets.

Daniel Wiegand, CEO Lilium

Der Abschluss der ersten Testphase ist ein Meilenstein für Lilium, den das Unternehmen in weniger als sechs Monaten seit Beginn der Flugtests erreichen konnte. Der mit fünf Sitzen ausgestattete und von 36 vollelektrischen Jetmotoren abgetriebene, emissionsfreie Jet wurde im Mai 2019 der Weltöffentlichkeit vorgestellt und auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen bei München auf Herz und Nieren getestet. Dort flog der Lilium Jet nun mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h zunehmend komplexe Manöver. Die neuen Aufnahmen zeigen das Flugzeug zum ersten Mal beim Übergang vom senkrechten in den horizontalen Flug. Dieses ist eine der größten Herausforderungen der Luftfahrt und das für den Lilium Jet charakteristische Manöver, das erstmals wenige Wochen nach dem Jungfernflug des Flugzeugs gelang. „Der Lilium Jet zeigt eine außerordentliche Flugperformance und wechselt bemerkenswert reibungslos vom senkrechten in den horizontalen Flug“, erklärte Leandro Bigarella, Head of Flight Test bei Lilium.

Zwei Produktionsstätten in Weßling

Lilium beschäftigt am Standort Weßling derzeit 350 Mitarbeiter, in den nächsten Jahren sollen bis zu 500 neue Stellen dazu kommen. Das erste Werk zur Produktion der Flugtaxis wurde jetzt fertiggestellt, ein „wichtiger Schritt für die Vorbereitung der Serienproduktion“, so das Unternehmen. Ein zweites noch größeres Werk ist dort bereits im Bau. In beiden Werken umfasst das Programm Carbonleichtbau, Elektroantriebe und Batterien sowie die Endmontage.

Wir sind überzeugt, dass die regionale Luftmobilität einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten kann.

Daniel Wiegand

Damit kann Lilium wie geplant zum Betriebsstart 2025 hunderte Flugzeuge im Jahr produzieren. „Unser Anspruch ist es, ein weltweit erstklassiges Werk zu schaffen. Hier werden wir kritische Bauteile zukünftig selbst herstellen und dann vollständig montierte Flugzeuge in der Größenordnung der Autobranche, aber auf dem extrem hohen Qualitätsniveau der Luftfahrtindustrie, liefern können“, so Wiegand.

Vernetzung als Ziel



Lilium will die Flugtaxis nicht verkaufen, sondern selbst betreiben. Ziel ist es, so ganze Regionen miteinander zu verbinden und sich nicht nur auf Kursstrecken innerhalb eines Stadtgebiets zu beschränken. „Wir sind überzeugt, dass die regionale Luftmobilität einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten kann, indem wir alle Städte von klein bis groß in einem Radius von 300 Kilometern vollelektrisch und mit Hochgeschwindigkeit verbinden“, betonte Wiegand.

Der Aufwand für die Infrastruktur ist gering. „Wir können für Tausende von Gemeinden Hochgeschwindigkeitsanbindungen schaffen“, schwärmt Wiegand. Von München aus sind beispielsweise die Städte Frankfurt, Zürich, Graz, Ljubljana und Prag sowie der Gardasee innerhalb der Reichweite (siehe Karte).

Das Flugzeug, das vom Boden aus gesteuert wird, beginnt nun laut dem Unternehmen seine zweite Testphase. Hier gehe es insbesondere darum, wie der Lilium Jet sich bei hohen Geschwindigkeiten verhalte. Wegen des elektrischen Antriebs ist der Jet wesentlich leiser und günstiger im Betrieb als beispielsweise Hubschrauber.

Interesse der Investoren

Zu den Lilium-Investoren gehört neben Frank Thelen (und seiner Freigeist Capital GmbH), bekannt durch die Startup-TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, auch der chinesische Internet-Konzern Tencent sowie die Risikokapitalgeber Atomico, LGT und Obvious Ventures.

Konkurrenten wie der „City-Airbus“ oder das badische Unternehmen Volocopter arbeiten an der Entwicklung von elektrischen Passagierdrohnen. Volocopter hatte im September eine ultraleichte, mit 18 Rotoren ausgerüstete Drohne ohne Passagiere und vom Boden aus gesteuert über Stuttgart fliegen lassen. Auch Porsche und Boeing arbeiten an ähnlichen Projekten.

Der Beitrag Die Revolution der Luftfahrt erschien zuerst auf Bayernkurier.

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