Parlamentswahl in Kanada: Premier Trudeau verliert absolute Mehrheit

Kanadas Premier Justin Trudeau kann voraussichtlich weiterregieren, ist aber auf einen Koalitionspartner angewiesen

Die Liberalen von Premierminister Justin Trudeau sind bei der Parlamentswahl in Kanada erneut stärkste Kraft geworden, haben ihre absolute Mehrheit aber verloren.

Justin Trudeau wird, aller Voraussicht nach, kanadischer Premierminister bleiben. Die von ihm geführten Liberalen verteidigten bei der Wahl zum Unterhaus am Montag ihre Position als stärkste Kraft im Parlament. Die Partei werde die meisten Sitze im Parlament bekommen, prognostizierte der öffentliche TV-Sender ›CBC‹, ihre absolute Mehrheit hätten die Liberalen aber verloren.

Schon im Vorfeld hatte sich ein knappes Rennen zwischen Trudeau und seinem konservativen Herausforderer, dem 40-jährigen Andrew Scheer, abgezeichnet. Erhebliche Stimmengewinne verzeichnete der separatistische Bloc Québécois. Die sozialdemokratische NDP verlor erheblich an Zuspruch und könnte vor einer Führungskrise stehen.

Das Ergebnis bedeutet, dass die Liberalen zum Regieren die Duldung durch kleinere Parteien brauchen, beispielsweise den sozialdemokratischen New Democrats oder den Grünen. Auch die erstarkte Regionalpartei Bloc Québécois könnte am Ende ausschlaggebend sein. 2015 hatten Trudeaus Liberale 184 Sitze im Parlament gewonnen und seitdem mit dieser absoluten Mehrheit regiert.

Kanada hat ein Mehrheitswahlrecht. Die 338 Mandate werden allein an den siegreichen Kandidaten in den 338 Wahlkreisen vergeben. Es gibt keine Abgeordneten, die über Listen ins Parlament einziehen, geschweige denn Überhang- oder Ausgleichsmandate.

In den vergangenen Monaten sorgte Trudeau, Spross der kanadischen Politikerdynastie Trudeau, mit Skandalen für Aufsehen: Zunächst wurde bekannt, dass er Ermittlungen gegen das kanadische Unternehmen SNC Lavalin wegen Bestechung in Libyen unterdrücken wollte – eine Ethikkommission bescheinigte ihm falsches Verhalten. Im September dann wurde er mit Rassismusvorwürfen überzogen, nachdem ein 20 Jahre altes Bild auftauchte, das den, um ein Saubermann-Image bemühten Trudeau mit dunkel geschminktem Gesicht – verkleidet als Aladdin – auf einer Party zeigte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich devot für sein »rassistisches« Verhalten (der Deutschland Kurier berichtete).

Rund 27 Millionen Bürger waren in dem G7-Land Kanada am Montag dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen.

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