Martin Männel: “Ein richtig geiles Heimspiel erzwingen”

Foto: Sportfoto Zink
fcn.de: Hallo Martin, für einige Experten eher überraschend steht Aue mit 15 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz der 2. Liga. Wie erklärst du dir euren guten Saisonstart?
Martin Männel: In erster Linie hängt es damit zusammen, dass wir in den letzten Jahren viel Lehrgeld gezahlt haben. Wir haben viele enge Spiele teilweise abgegeben. Dadurch, dass wir die Mannschaft im Kern in den letzten zwei, drei Jahren zusammengehalten haben, haben wir an Erfahrung hinzugewonnen und profitieren jetzt davon.
fcn.de: Habt ihr vor der Saison damit gerechnet?
Martin Männel: Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Klasse zu halten und schnell die 40 Punkte zu erreichen, um nicht bis zum letzten Spieltag zittern zu müssen. Das bleibt auch so, bis wir dieses Ziel erreicht haben. Der Klassenerhalt hat oberste Priorität.
fcn.de: Zwei Zähler hinter euch steht der 1. FC Nürnberg, der seit sechs Spielen ungeschlagen ist. Wie schätzt du den Club ein?
Martin Männel: Der 1. FC Nürnberg ist vom Gefühl her ein Erstligist. Der Verein hat viel Tradition in der Bundesliga. Die Ambitionen des Club sind, denke ich, auch höher als das, was die Tabelle aktuell aussagt. Wir stehen aber auch erst am Anfang der Saison, da ist noch alles offen. Mit einem Sieg könnten sie uns in der Tabelle überholen, das wollen wir natürlich verhindern. 
fcn.de: An deiner persönlichen Bilanz gegen den FCN muss noch gefeilt werden, in sechs Spielen gab es einen Sieg und fünf Niederlagen. Warum war es in der Vergangenheit so schwer, den Club zu schlagen?
Martin Männel: Sie hatten immer eine Mannschaft mit viel Qualität und richtig guten Einzelspielern, die als Mannschaft gut funktioniert haben. Bei dem einen Sieg haben wir die Nürnberger auch nicht hergespielt. Das war damals aber ein richtig geiles Heimspiel, das möchten wir auch am Freitag wieder erzwingen, indem wir von der Mentalität her wieder alles in die Waagschale werfen und dazu auch die Erfahrung und Qualität auf den Platz bringen, die wir besitzen.  
fcn.de: Seit elf Jahren trägst du bereits das Trikot des FCE. Was verbindest du mit diesem Verein und was hält dich dort?
Martin Männel: Bevor ich herkam wurde mir gesagt, dass es ein sehr familiär geführter Verein ist. Das kann ich nach elf eineinhalb Jahren nur bestätigen. Das wird hier wirklich so gelebt. Anfangs haben wir uns noch in der Geschäftsstelle umgezogen, dadurch entstand der Kontakt zu jedem einzelnen Mitarbeiter und das schweißt zusammen in guten, wie in schlechten Phasen. Es gab dort immer Leute, mit denen man reden konnte, die ein offenes Ohr hatten und selbst auch das Vertrauen hatten, unangenehme Dinge mit mir zu besprechen. Das unterscheidet uns von vielen anderen Vereinen, in denen Geschäftsstelle und Trainingszentrum zwei ganz unterschiedliche Welten sind. Außerdem befinden wir uns oft in der Rolle des Underdogs.
fcn.de: Was manchmal vielleicht auch hilfreich ist?
Martin Männel: Mir ist da ganz Recht so. In der Liga sind wir ein kleiner Verein, das spiegelt die Realität wieder und gibt uns immer wieder die Chance, den einen oder anderen zu überraschen. Mit Qualität, Mentalität und Teamgeist stellen wir die Gegner vor Probleme. Diese Rolle gefällt mir. In meinem ersten Zweitligajahr in Aue haben wir genau mit diesen Mitteln den fünften Platz erreicht, weil wir immer eklig zu bespielen waren. Dieses Image haben wir in den letzten Jahren ein Stück weit abgestreift. Jeder hat mitbekommen, dass wir uns auch fußballerisch weiterentwickelt haben – aber eben auch infrastrukturell. Das nehmen die Menschen wahr, sowohl intern, als auch extern. Das alles mitzuerleben, hat mich ein Stück weit hier heimisch gemacht.
fcn.de: Im Profibereich ist Aue, neben Energie Cottbus, erst der zweite Verein für den du spielst. Ist dir Loyalität im Fußball wichtig oder fehlt es dir an Risikofreude?
Martin Männel: Wenn ich in Cottbus die Möglichkeit gehabt hätte zu spielen, wäre ich heute immer noch dort. Im Fußball will man sich etwas aufbauen und einen Namen machen. Ich bin Aue einfach dankbar, dass sie mir die Türe in den Profifußball geöffnet haben. Das habe ich bis heute nicht vergessen. Ich konnte das auch in den vergangenen Jahren immer wieder zurückzahlen. Es gab für mich aber auch nie die Möglichkeit, mal etwas zu wagen. Ich habe meine Familie und meine Frau hier. Wir haben ein Haus gebaut und sind mittlerweile in der Region verwurzelt, aber das Träumen habe ich trotzdem nicht ganz aufgegeben.
fcn.de: Was für eine Partie dürfen die Zuschauer am Freitagabend erwarten?
Martin Männel: Nürnberg hat große Qualität und die besseren Einzelspieler. Dennoch werden wir alles daransetzen, auch unsere Qualitäten in die Waagschale zu werfen. In der Zweiten Liga ist das Wichtigste, dass man die Art und Weise wie dort Fußball gespielt wird, kennt und das haben wir Nürnberg voraus. Wenn wir eklig zu bespielen sind, werden auch sie es schwer haben. Der FCN ist Favorit. Aber, und da werfe ich gerne ein paar Euro in das Phrasenschwein: Das Spiel dauert 90 Minuten, es geht bei 0:0 los, und im Anschluss werden wir sehen, wer die drei Punkte für sich beanspruchen darf.

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