Deutschland rutscht ab

Deutschland lahmt bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern. In der neuen Rangliste fällt die Bundesrepublik von Platz 3 auf Platz 7 zurück, wie das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seinem jährlichen Bericht feststellt.

Nur noch auf Platz 7

Überholt wird Deutschland von Hongkong, den Niederlanden, der Schweiz und Japan. Im Gerangel um die ersten Plätze hat Singapur dieses Mal die Nase vor den USA. China steht unverändert auf Platz 28 der 141 untersuchten Staaten im Globalen Wettbewerbsbericht 2019 der Stiftung WEF. Platz 7 ist die schlechteste Position Deutschlands seit der Finanzkrise 2008/2009.

Besonders düster sieht es hierzulande bei der Informationstechnologie aus: Bei Internetverbindungen über Glasfaserkabel landet Deutschland auf Platz 72, bei mobilen Breitbandanschlüssen auf Platz 58.

Verluste in 53 Kategorien

Von den 103 Indikatoren aus 12 Hauptkategorien, die das WEF für seinen Global Competitiveness Index benutzt, verliert Deutschland bei 53 an Boden und verbessert sich bei nur 18. Vor allem bei der Hauptkategorie öffentliche Sicherheit (Platz 48) schneidet Deutschland schlechter ab. In den Sicherheitsunterkategorien „Kosten durch organisierte Kriminalität“ rangiert Deutschland mit 60 Punkten auf Rang 74, bei der Verlässlichkeit der Polizei geht es mit nur 68,3 Punkten auch runter auf Platz 48.

Sehr schlecht sieht es auch in den Bereichen Solidität des Bankensystems (Platz 64), Kosten für eine Firmengründung (Platz 72), Höhe der Steuersätze (Platz 99), Kosten von Kündigungen (Platz 100), Lohnflexibilität (Platz 102) und Komplexität der Handelstarife (Platz 113) aus.

Viel Innovation, stabile Finanzen

In den Kategorien Makroökonomische Stabilität (Schulden/Inflation) sowie Innovationsfähigkeit bleibt die Bundesrepublik dagegen auf dem Spitzenplatz, den sie sich in Sachen Stabilität allerdings mit 33 anderen Ländern teilt. Bei der Innovationsfähigkeit geht es etwa um die Zahl angemeldeter Patente (Platz 5) oder wissenschaftlicher Veröffentlichungen (Platz 3).

Top 10-Plätze gibt es beispielsweise auch in Sachen effiziente Grenzabfertigung (Platz 1), Zukunftsorientierung der Regierung (insgesamt Platz 2, in den Unterkategorien Klimaschutz und Erneuerbare Energien Platz 1), Marktgröße (Platz 5), gute Ausbildung der Arbeitskräfte (Platz 5), Geschäftsdynamik (Platz 5), Infrastruktur (Platz 8) sowie Produktmarkteffizienz (Platz 9). In der Frage, wie gut sich Länder auf digitale Geschäftsmodelle einstellen, landen von den 20 größten Volkswirtschaften (G20) nur 2 unter den Top 10: die USA auf Platz 1, Deutschland auf Platz 9.

Tiefe Gräben

In dem Gesamtindex zur Wettbewerbsfähigkeit liegen die ersten Länder dicht beieinander. Singapur kommt auf 84,8 von 100 möglichen Punkten, Deutschland auf 81,8. Der Durchschnitt aller Länder liegt bei 61 Punkten. Darin sieht das WEF Probleme für die Zukunft. „Der Graben bei der Wettbewerbsfähigkeit ist umso besorgniserregender, weil die Weltwirtschaft mit der Aussicht auf einen Abschwung konfrontiert ist“, so das WEF. „Die veränderte geopolitische Lage und die wachsenden Handelsspannungen heizen Unsicherheiten an und könnten zu einer Konjunkturabschwächung führen.“

Auf den letzten Rängen liegen der Kongo, Jemen und Tschad. Das rohstoffreiche Venezuela, das seit einigen Jahren unter einer sozialistischen Diktatur leidet, rutschte wegen der katastrophalen Wirtschaftslage 6 Plätze ab und landet nur noch auf Platz 133.

Afrika liegt hinten

Interessant ist auch ein Blick auf Afrika, die laut Bericht am wenigsten wettbewerbsfähige Region: Von den am schlechtesten bewerteten zehn Staaten liegen mit Madagaskar (Platz 132), Mauretanien (Platz 134), Burundi (Platz 135), Angola (Platz 136), Mosambik (Platz 137), der Demokratischen Republik Kongo (Platz 139) und dem Tschad (Platz 141) sieben auf dem afrikanischen Kontinent. Unter den schlechtesten 20 sind 17 aus Afrika. Der beste afrikanische Staat ist die Insel Mauritius auf Platz 52 vor Südafrika (Platz 60), Marokko (Platz 75), Seychellen (Platz 76), Tunesien (Platz 87), Algerien (Platz 89), Botswana (Platz 91), Ägypten (Platz 93), Namibia (Platz 94) und Kenia (Platz 95).

Immerhin: Verbessern konnten sich Südafrika und Namibia, aber auch weiter hinten liegende Staaten wie Ruanda (Platz 100), Uganda (Platz 115) und Guinea (Platz 122). Staaten wie Kenia und Nigeria (Platz 116) verloren zwar Plätze durch schnellere Aufsteigerländer, verbesserten aber ebenfalls ihre Punktzahl. Positiv auch: Von den Sub-Sahara-Staaten verbesserten sich 14 von 34 Ländern im Bereich Gesundheit um mehr als zwei Punkte.

Das Hauptproblem bleibt. Das WEF warnte schon 2017 in einem speziellen Afrika-Report eindringlich: Wenn der Kontinent nicht mehr Arbeitsplätze schafft, steuert er auf „eine Krise der Jugendarbeitslosigkeit“ zu.

(dpa/BK)

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