A 94: Freigabe nach 40 Jahren

Jahrzehnte nach dem Beginn der Planungen rollen seit Dienstagmorgen Autos und Lastwagen auf der Isentalautobahn. Bundesverkehrminister Andreas Scheuer und sein bayerischer Amtskollege Hans Reichhart (beide CSU) haben am Montag die 33 Kilometer lange Strecke von Pastetten nach Heldenstein offiziell für den Verkehr freigegeben.

Endlich Entlastung

Das neue Autobahnstück soll die Bundesstraße 12 von München in Richtung Passau entlasten, das bayerische Chemiedreieck bei Altötting besser an München anbinden und die Verbindung nach Südosteuropa verbessern. Die Politik hofft außerdem, dass sich auch weitere Firmen und damit Arbeitsplätze in der Region ansiedeln. Das Teilstück ist früher fertig geworden als geplant – ursprünglich war Ende Oktober als Termin für die Verkehrsfreigabe vorgesehen.

Der Verkehr fließt hier nun schneller und sicherer.

Andreas Scheuer

Er setze sich seit Jahren für die durchgängige A 94 ein, sagte Scheuer am Montag anlässlich der Eröffnung bei Dorfen im Landkreis Erding. „Heute heißt es: Eine weitere Riesen-Lücke ist geschlossen, das Ziel ist in Sicht.“ 117 von 150 Kilometern der A94 sind nun fertig. „Der Verkehr fließt hier nun schneller und sicherer“, betonte Scheuer. 56 neue Brücken, 16 Überführungen, 37 Unterführungen, 13,6 Kilometer Lärmschutzwälle, 8,3 Kilometer Lärmschutzwände und vier neue Anschlussstellen wurden gebaut. „Diese Autobahn ist ökonomisch wie ökologisch eine gute Lösung“, sagte Scheuer. Die B 12 sei völlig überlastet. „Hier gab es schon zu viele Verletzte und Tote.“

Wir stärken damit den ländlichen Raum und sichern Arbeitsplätze.

Hans Reichhart

Die Isentalautobahn werde „zur Lebensader für die gesamte Region“, sagte sein Kollege Reichhart. „Wir stärken damit den ländlichen Raum und sichern Arbeitsplätze. Gleichzeitig haben wir naturschonend gebaut und mit umfassenden Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner das bestmögliche getan.“ Es sei „hart gerungen“ worden, jetzt aber gebe es zumindest weitgehend Rechtsfrieden. Rund 700 Menschen aus der Umgebung kamen zum Festakt.

Jahrzehnte der Blockade

Die 33 Kilometer lange Trasse bei Dorfen war das umstrittenste Teilstück der A 94. Nach jahrelangen Planungen und Gerichtsauseinandersetzungen hatte im Februar 2016 die Isentalautobahn GmbH mit dem Bau begonnen. Der Staat zahlt 1,1 Milliarden Euro für Bau, Instandhaltung und Betrieb der 77 Kilometer zwischen Marktl und Forstinning – für den Zeitraum von 30 Jahren.

Ein Traum wird befahrbar.

Günther Knoblauch

Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung und der Bürgermeister der Region das Projekt unterstützten, wie vor einigen Jahren eine Recherche des BAYERNKURIER ergab, konnte man den Eindruck gewinnen, alle seien gegen die Autobahn. Dies lag sicher an prominenten Autobahngegnern wie der Gruppe „Biermösl Blosn“ oder dem Kabarettisten Gerhard Polt, die viel Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU), der seinen Wahlkreis in Mühldorf und Altötting hat, sieht das ähnlich: „Vielen hat es viel zu lange gedauert.“ Die Isentalautobahn habe zwar ganze Ortschaften gespalten. Aber auch Mayer ist überzeugt: „Die große Mehrheit steht hinter der A 94.“

St. Florians-Prinzip als Hindernis

Im Grunde standen die Anwohner der neuen Trasse und Naturschützer gegen die Anwohner der B12, die vielen Pendler und die Wirtschaft der Region. Die Gegner des Projektes forderten, man solle besser die Bundesstraße B12 vierspurig ausbauen – die jedoch durch mehrere Dörfer führt. Deren Bewohner waren natürlich nicht angetan von den Ideen der „Naturschützer“ auf ihre Kosten. Davon erfuhr man in der Berichterstattung jedoch nur selten etwas, ebenso vom Verein „Ja zur A 94“, der vom ehemaligen Mühldorfer SPD-Bürgermeister Günther Knoblauch geleitet wird und zahlreiche Kommunen, Abgeordnete, Gewerkschaften, Handwerker und Firmen der Region vereinte„Ein Traum wird befahrbar“, sagte Knoblauch nun bei der Eröffnung des neuen Teilstücks.

Die A 94 ist eine Lebensader für unsere Region, unsere Zukunft hängt von ihr ab.

Walter Taubeneder

Gerade in den weiter östlich gelegenen Landkreisen Mühldorf und Altötting sowie im weiteren Verlauf in Niederbayern erhoffen sich viele Menschen vom oberbayerischen A 94-Lückenschluss eine bessere und sicherere Anbindung an die Landeshauptstadt. Auf der mit rund 23.000 Fahrzeugen pro Tag hoch belasteten B12 standen schwere und auch tödliche Verkehrsunfälle bislang fast an der Tagesordnung.

Hoffnung in Passau

Nun hoffen auch die Bewohner rund um Passau, dass die letzten 33 Kilometer bis zur Drei-Flüsse-Stadt rasch fertig werden. Auch dort sind Teilstücke schon in Bau, andere in Planung. „Missmut herrscht in der Region über das langsame Voranschreiten. Das Gaspedal ist erst halb durchgetreten“, kritisierte CSU-Landtagsabgeordneter Walter Taubeneder vor ein paar Monaten bei einer A 94-Konferenz. „Die A 94 ist eine Lebensader für unsere Region, unsere Zukunft hängt von ihr ab.“ Eine durchgehende A 94 würde für die Region den direkten Anschluss an das Ballungszentrum München bedeuten, woraus man sich einen Schub für die Wirtschaftskraft der Region und den Tourismus erwartet.

Der 14 Kilometer lange Abschnitt vom oberbayerischen Marktl ins niederbayerische Simbach sei „noch ein Stück Arbeit“, erklärte die Autobahndirektion Südbayern bei der Konferenz. Probleme bereiteten die 330 Meter lange Brücke über den Inn und dass die Strecke im FFH-Gebiet liegt.

(dpa/BK)

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