Polizeieinsatz bei EinschulungsfeierHeidelberg: Heile Welt mit Rissen

Wer Heidelberg hört, denkt vermutlich an ein beschauliches kleines Städtchen am Neckar. Einen Ort voller Sehenswürdigkeiten, einer bestens erhaltenen Altstadt mit vielen Touristen und Studenten, in der man bedenkenlos sein Herz verlieren kann, weil die Welt hier einfach noch ein Stück weit in Ordnung ist. Daß die heile Welt aber auch hier bereits massive Risse hat, zeigt ein aktueller Fall aus dem Stadtteil Emmertsgrund.

Bei der Einschulungsfeier der örtlichen Grundschule ist am vergangenen Freitag ein Streit unter Erwachsenen dermaßen eskaliert, daß am Ende 18 Streifenwagen ausrücken mußten, um die Situation am ersten Schultag zu beruhigen. Angefangen hatte alles mit der Auseinandersetzung zwischen einem 35jährigen deutsch-irakischen Vater und der von ihm getrennt lebenden 26jährigen deutsch-irakischen Mutter. Zunächst kam es zur verbalen Auseinandersetzung zwischen der Frau und ihrem Ex-Partner, als dieser auftauchte. Als sich eine 33jährige Verwandte der Kindsmutter in den Streit einmischte, soll der 35jährige diese körperlich angegangen sein. Die hierauf alarmierte Polizei traf kurze Zeit später ein. Der zuständige Polizeiposten ist nur einen Steinwurf von der Grundschule entfernt.

Noch während die Beamten den Sachverhalt klärten, gesellten sich weitere Familienangehörige der beiden Parteien hinzu. Fünf männliche Personen griffen den 35jährigen Iraker trotz Präsenz der Polizei an und traktierten diesen mit Schlägen und Tritten. Sie ließen auch nicht von ihm ab, nachdem er bereits zu Boden gegangen war. Insbesondere ein 37jähriger Mann trat weiter gegen den Kopf des am Boden liegenden Vaters. Als eine Polizistin ihm zur Hilfe eilen wollte, stach dieser mit einem Messer auf die Beamtin ein. Sie erlitt durch den Angriff eine oberflächliche Stichwunde und mußte daraufhin mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Deutschenfeindlicher Rassismus und Antisemitismus unter Grundschülern

Davon offenbar unbeeindruckt stritten die beiden Gruppen weiterhin so heftig, daß in der Folge 18 Streifenwagen anrücken mußten, um die Situation mit Pfefferspray und massivem Körpereinsatz zur Durchsetzung der Festnahmen, zu bereinigen. Gegen Einzelne Zuschauer wurden Platzverweise ausgesprochen. Insgesamt nahm die Polizei drei Männer vorläufig fest und setzte sie nach Abschluß aller polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß.

Mütter mit ihren Kindern vor der Heidelberger Grundschule Foto: Boris T. Kaiser

Außenstehende dürften wohl ziemlich geschockt sein über die Szenerie im als so idyllisch geltenden Heidelberg. Wer dagegen mit den Menschen vor Ort spricht, bekommt ein etwas anderes Bild der Situation in der baden-württembergischen Universitätsstadt. Insbesondere im Stadtteil Emmertsgrund. Sie habe „schon lange darauf gewartet, daß es hier mal kracht“, sagt eine Anwohnerin, deren Kind einst selbst die Stadtteil-Grundschule besuchte. Bereits in der ersten Woche nach der Einschulung, so erzählt sie, sei ihr Sohn von Mitschülern dazu gezwungen worden, den Boden aufzulecken. Immer wieder habe es solche Situationen gegeben.

Dabei hätte häufig auch deutschenfeindlicher Rassismus der ausländischen Schüler, die hier oft die absolute Mehrheit stellen, eine Rolle gespielt. Deutsche Schüler würden hier schon mal als „Schweinefleischfresser“ tituliert, obgleich es in der Schulkantine auf offiziellen Beschluß seit Jahren kein Schweinefleisch mehr gebe. Auch Antisemitismus spiele bei vielen der muslimischen Schüler – oft türkische oder irakische Kurden – eine große Rolle. Bei einem gemeinsamen Synagogen-Besuch hätte etwa die Hälfte der Klasse gefehlt, berichtet sie. Auch Islam-Unterricht bietet die Grundschule in Heidelberg bereits an.

Schulleitung ignoriere Probleme

Ihre Erzählungen decken sich mit meinen Beobachtungen vor Ort. Der radikale Islam scheint bei den Familien, die hier ihre Kinder auf die Schule schicken, weit verbreitet zu sein. Das erste was ich sehe, als ich das Schulgelände betrete, ist eine Frau in strahlend blauer Burka. Auch die anderen muslimischen Mütter tragen nahezu alle mindestens Kopftuch. Viele sind noch stärker verhüllt. Zu den Elternabenden würden die islamischen Eltern in der Regel nicht erscheinen, berichtet die junge Mutter, die selbst im Elternbeirat aktiv war. Die Schulleitung würde Probleme weitgehend ignorieren.

Schilder mit Begrüßungen in Fremdsprachen an der Schultür Foto: Boris T. Kaiser

Ignorieren von Problemen scheint an der Grundschule im Emmertsgrund tatsächlich das Mittel der Wahl zu sein. Außer dem Hausmeister, der mich zunächst für einen Polizisten hält, bis ich ihn über meine Recherchen aufkläre, wollte niemand mit mir über die Ereignisse bei der Einschulungsfeier sprechen. Der Hausmeister weist im Gespräch zwar auf den hohen Ausländeranteil hin, beschreibt die Situation an der Schule insgesamt aber als eher ruhig und unproblematisch.

Eine Lehrerin erstickt dagegen gleich jeden Frageversuch im Keim, indem sie leicht hysterisch ausruft, sie könne „dazu überhaupt nichts sagen“. „Schon gar nicht vor den Kindern.“ Eine Mutter mit Kopftuch behauptet gar, sie wüßte von dem Vorfall mit den 18 Streifenwagen der Polizei gar nichts. Auch beim zuständigen Polizeirevier in unmittelbarer Nähe der Schule gibt man sich freundlich, aber wortkarg und verweist auf die zuständige Pressestelle in Mannheim.

Immerhin: Die im Einsatz leichtverletzte Polizistin ist bereits wieder dienstfähig und sitzt am Montagmorgen schon wieder beeindruckend anmutig und diszipliniert hinter ihrem Schreibtisch. Es sind Helden und Heldinnen wie sie, die, von Heidelberg bis Berlin, auf oft schier verloren wirkendem Posten, für den Erhalt der öffentlichen Ordnung kämpfen und damit dafür sorgen, daß unsere „heile Welt“, noch nicht vollends aus den Fugen geraten ist.

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