Wahlkampf in Kanada geht in die heiße Phase

Justin Trudeau, der aktuelle Premierminister Kanadas, gilt als Gegenentwurf zu Politikern wie Donald Trump, Wladimir Putin, Boris Johnson, Jair Bolsonaro oder Matteo Salvini. In den Medien wird er gerne als »Mr Charming« bezeichnet. Nur hat die einst angeblich so blütenweiße Weste des »Traums aller Schwiegermütter« (Herald Tribune) einige erhebliche Flecken bekommen, das Renommee Trudeaus ist in arge Mitleidenschaft gezogen worden.
Seine Verstrickung in einen Korruptionsskandal, bei dem er maßgeblich die Fäden selbst gezogen hat, brachte ihm eine Rüge der kanadischen Ethikkommission ein. Trudeau hatte versucht, Ermittlungen der Justizministerin in seinem Heimatwahlkreis gegen einen Baukonzern zu unterdrücken. Diese Einmischung in die unabhängige Arbeit der Justiz ist Wasser auf den Mühlen seines Gegners, dem konservativen Politiker Andrew Scheer: »Wir haben den Kanadiern gezeigt, dass Justin Trudeau sie in die Irre geführt hat. Er hat gelogen und den Kanadiern dabei in die Augen geschaut. Wir denken, dass er die moralische Berechtigung verloren hat, zu regieren«, sagte Scheer.
Da nun auch die Flüchtlingspolitik und die mit ihr verbundenen Probleme Einzug in die kanadische politische Landschaft gehalten haben, ist der Ausgang der Wahl offen. Aktuellen Umfragen zufolge liegen Trudeau und Scheer in etwa gleich auf.
Insgesamt treten sechs Parteien mit ihren Kandidaten zur Wahl an. Neben den Liberalen von Trudeau und den Konservativen von Scheer bewerben sich auch die Neuen Demokraten des indisch-stämmigen Jagmeet Singh, die französischsprachige Bloc Québécois von Yves-François Blanchet, die Grünen von Elizabeth May und die Volkspartei von Maxime Bernier um die Stimmen der etwa 25 Millionen Wahlberechtigten.

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