Landtagswahl in Sachsen: Jetzt sprechen die Wutbürger

Von Jan Schneider | In Sachsen und Brandenburg stehen am Sonntag richtungsweisende Landtagswahlen an. In beiden Bundesländern kann die AfD stärkste Kraft werden, während Deutschlands größte sich liberal nennende Partei um den Einzug in beide Landtäge kämpft. Alles Wichtige zu den Wahlen hier in unserer Vorschau.

Sachsen: Zieht Kretschmer der AfD den Zahn?

In Sachsen, dem Bundesland, in dem die AfD bislang in einer bundes- oder landesweiten Wahl am stärksten auftritt, dem Bundesland in dem Chemnitz liegt, dem Geburtsland der friedlichen Revolution von 1989 polarisiert die Wahl am meisten. Dabei zeigen jüngste Unfragen einen deutlichen Vorsprung für die CDU um Ministerpäsident Michael Kretschmer an. Kretschmer, der nach dem enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 das Regierungsmandat von Stanislaw Tillich übernahm zieht aktuell in den Unfragewerten leicht nach oben. Seine Bleliebtheitswete sind hoch, seine Partei wird etwa 30 Prozent holen. Eine erstaunliche Aufholjagd, wenn man bedenkt, dass die AfD bis vor kurzem Kopf an Kopf mit der Union lag und bei Bundestags- und Europawahl sogar besser abschnitt. Weniger erstaunlich ist es, dass Annegret Kramp-Karrenbauer, welche sich bis dato klugerweise aus dem Wahlkampf herausgehalten hatte, nun versucht auf der Kretschmer-Erfolgswelle mit zu schwimmen. Selbst falls es 30+-Prozent werden, wäre das immer noch das schlechteste CDU-Ergebnis in Sachsen aller Zeiten und mit zweistelligen Verlusten verbunden.

Die AfD hingegen weiß nicht, was sie erwartet. Auch in Sachsen gewinnt der Flügel um Björn Höcke immer mehr an Bedeutung. Für Höcke selbst steht im Oktober eine richtungsweisende Landtagswahl im Nachbarstaat Thüringen an. Es scheint so, als haben die Themen Chemnitz und Migration an Bedeutung verloren, und so stagniert die AfD in Sachen bei soliden 25%. Immer noch ein überragender Wert im Vergleich zur letzten Wahl für eine so junge Partei, dennoch enttäuschend. Bis vor kurzem hoffte man, mit Jörg Urban Kretschmers CDU zu überflügeln und eventuell sogar den Ministerpräsidenten zu stellen. Daraus wird wohl nichts und so wird es für die AfD wohl keine Folgen haben, dass nur 30 Kandidaten ihrer Liste die Zulassung für die Landtagwahl bekommen haben.

Trübsalstimmung herrscht derweil bei SPD und Linken. Beide Parteien werden vor allem an die aufstrebenden Grünen Wähler verlieren. Die Linke stehen bei immer noch stolzen 14 Prozent, jedoch gibt es morgen wohl deutliche Verluste. Die SPD derweil musste kurzzeitig sogar um den Einzug in den Landtag bangen, hat sich aber wieder gefangen und wird mit etwa 8-9% das schlechteste Ergebnis einer Landtagswahl, aufgestellt im Oktober in Bayern, unterbieten.

Der Hype der Grünen hat währenddessen auch um Sachsen keinen Bogen gemacht. Vor allem in den Städten punktet die Öko-Partei, der für sächsische Verhältnisse ein Traumergebnis von 11% prognistizert wird. Der konservative Freistaat ist trotzdem aktuell das wohl größte Bollwerk gegen Öko-Totalitarismus.

Die FDP muss bangen, ob es mit dem Einzug in den Dresdner Landtag klappt. 5,5% hat sie aktuell in den Umfragen, unter 5% ist gar nicht so unrealistisch. Dennoch ist es eher wahrscheinlich, dass es für die sächsische FDP, die unter der Leitung von Holger Zastrow einen guten Wahlkampf geführt hat, reicht. Sie weicht mit ihrer liberal-konservativen Ausrichtung etwas von der Bundespartei ab, was eventuell ihre Rettung sein könnte.

Ebenfalls außergewöhnlich stark in Sachsen sind die Freien Wähler, die bei 4% stehen und erstmals in den Landtag einziehen könnten. Besonders spannend ist der Wahlkreis Görlitz 1, der Wahlkreis vom Michael Kretschmer, den er bei der letzten Bundestagswahl an die AfD abgeben musste. Auch spannend zu sehen wird es, wie Frauke Petrys blaue Partei abschneidet, welche in Sachsen erstmals zu einer Landtagswahl antritt. Ihre Partei wird die 5%-Hürde deutlich verfehlen, doch Petry könnte über ihren Wahlkreis in der sächsischen Schweiz in den Landtag einziehen.

Ich denke die Wahl in Sachsen wird wie folgt ausgehen: (Tippen Sie gerne in den Kommentaren mit)

Nach der Wahl wird sich vermutlich eine Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen bilden, auch wenn Kretschmer am liebsten ohne Grüne regieren würde, was ohne AfD und Linke wohl nicht möglich sein wird. Diese Koalitionsmöglichkeiten hat Kretschmer jedoch ausgeschlossen.

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