Mit einem “Notfrühstück” gegen das Bildungsdesaster?

Zehn Prozent der Grundschüler gehen morgens ohne Frühstück zur Schule. Das ermittelte eine Umfrage von Allensbach unter Eltern. Umgerechnet entspricht das etwa 300.000 Kindern.
Dieser Zustand ist für einige Politiker von SPD, Grünen und FDP und den Deutschen Lehrerverband untragbar. Sie fordern, berichtet die FAZ, dass Kommunen und Länder eingreifen sollen.”Wenn Schulen mit Unterstützung von Land und Kommunen für solche Fälle ein Notfrühstück bereithalten, ist das sicher sinnvoll”, sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. Denn, so der Verbandschef, ein fehlendes Frühstück wirke sich massiv auf die schulische Leistungsfähigkeit aus. 
Die Studie wurde umgehend zum Anlass genommen, weitere Maßnahmen des Staates zu fordern. Die SPD verweist auf eine “Kindergrundsicherung” und ruft nach “Familienberatung”. “Ein gutes und gesundes Frühstück sollte für alle Kinder eine Selbstverständlichkeit sein”, heißt es von Seiten der Grünen. Die FDP spricht von einem “untragbaren Zustand” und fordert ein “neues Miteinander von Schule, staatlichen Hilfen und Eltern”.
Man sieht – fehlende Lernbereitschaft und mangelhafte Leistungen an deutschen Schulen haben einen gemeinsamen Grund: Das fehlende Frühstück bei 10 Prozent aller Schüler. Und ein “Notfrühstück” soll es retten. So jedenfalls Politiker und Verbandspräsidenten.
Richtig ist: Es gibt Kinder, die nicht frühstücken wollen, so wie es auch Erwachsene gibt, die ohne etwas zu essen, auf der Arbeit erscheinen. Eine Auswirkung auf die Lernfähigkeit hat die Studien nicht bewiesen. Sie entspringt der Phantasie des Verbandspräsidenten.
Mit anderen Worten: Hier wird weiteren staatlichen Eingriffe in die elterliche Erziehung eine Begründung geliefert. Und es wird mit krachenden Worten abgelenkt vom tatsächlichen Thema: Dem veritablen Bildungdesaster. Dem wird man mit einem “Notfrühstück” sicher nicht Herr.
Mit solchen Umfragen ist allenfalls dem Institut, das gefragt hat, geholfen. Und manchmal hat auch der Auftraggeber etwas davon: In diesem Fall der Discounter Lidl.

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