Kalinka & Kasatschok

Wahlkampf: Sachsens MIniPrä Kretschmann bei Putin. Retten, was nicht mehr zu retten ist…

 

 

 

 

 

 

Was BILD über 

Ossis und Putin 

darf. Und was nicht

 

Von PETER BARTELS 

 

BILD stirbt? Alter Hut! Wer die Auflage von mehr als 5 auf weniger als 1 Mio versaubeutelt, stirbt eben. Warum aber Selbstmord noch schöner als die
Angst vor dem Tod ist, begreift nicht mal mehr Gevatter selbst … 

 

Da soll ein ehemaliger DDR-Bürger und Redakteur schreiben, warum ausgerechnet die Ossis Putin mehr lieben als die Wessis. Er schreibt es. Einleuchtend.
Plausibel. Deutsch. Alle können es auf BILD ONLINE lesen. Und dann stolpert man über BILD Paper … Und da fehlen plötzlich vier lange Absätze. Erhellende, erklärende, wichtige Absätze. Irgendeiner
hat sie einfach gestrichen. Sie paßten nicht in die schöne, neue linke Welt von BILD …  

 

Pfingstmontag, 16.44 Uhr schrieb Ralf Schuler auf BILD ONLINE, Schlagzeile: „Warum stehen die Ostdeutschen so auf Putin“. Die BILD-Papier-Version heute,
Dienstag: „In der DDR gab es keine Russen“. Ebenfalls schon Pfingstmontag, aber 22.36 Uhr, gerade noch vor „Andruck“, hatte  ein Julian
Röpcke  Schuler noch schnell im Kommentar hinterher gehechelt: „Falsches Verständnis“. „Wer die falsche Rücksicht mit Putin rechtfertig oder
hinnimmt, macht sich mitschuldig.“ … Von seinem gehorsamen Kommentar wurde natürlich nix gestrichen. Von Schulers 65 Zeilen-Report wurden fast 30 Zeilen wegzensiert. Hier Ralf Schuler ONLINE
komplett Schlagzeile :

 

 Warum sind Russland und sein Präsident Wladimir Putin im Osten so beliebt, während in den alten
Bundesländern viele das Putin-Reich als bedrohlich und böse empfinden?“  

 

Schuler zensiert / gestrichen …

 

Warum treten gerade Politiker aus dem Osten wie etwa Matthias Platzeck (SPD) oder jüngst Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) trotz
Krim-Annexion und besetzter Ost-Ukraine immer wieder für das Ende der Russland-Sanktionen ein?

 

Am jahrzehntelang eingeübten, „freundschaftlichen“ Umgang mit Russen in der DDR kann es nicht liegen. In der DDR gab es faktisch keine „Russen“. Es gab
nur „Sowjetbürger“. „Russland“ stufte im Verständnis der SED die ‚ruhmreiche Sowjetunion“ auf die vorrevolutionäre, zaristische Nation zurück. Das Wort „Russe“ war verpönt, galt als ehedem von
den Nazis benutztes Schimpfwort, wenn (hoffentlich) keiner zuhörte für paradierende, einmarschierende (Berlin 1953, Budapest 1956, Prag 1968 …) Truppen mit dem roten Stern oder wenn ältere Frauen
in Andeutungen über die Massenvergewaltigungen im Nachkriegsberlin redeten.

 

Physisch, menschlich, nachbarschaftlich begegnete man Russen/Sowjets im DDR-Alltag viel weniger, als die Allgegenwart von Reste-Soljanka und die
massenhafte Mitgliedschaft in der „Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ (DSF/6,4 Mio. Mitglieder 1988) vermuten lassen.

 

Im DDR-Alltag sah man „die Freunde“ (zwinker!), wie die Vertreter des „großen Bruders“ gern hintersinnig genannt wurden, selten. Die einfachen Soldaten (1991:
338 000 Mann) kamen aus den Kasernen nicht raus und wurden bewusst abgeschottet. Kontakte ergaben sich allenfalls bei Verkehrsunfällen, Erntehilfe durch Rotarmisten oder gelegentlich
verordnete „Freundschaftstreffen“ der DSF.

 

 Schuler zensiert / gestrichen

Das „Haus der sowjetischen Wissenschaft und Kultur“ in der Berliner Friedrichstraße war immer leer, weil es kaum etwas zu sehen gab, außer den bekannten bemalten Holzlöffeln, Matrjoschkas,
Kosmonauten und einem Dnepr-Motorrad, das eine nachgemachte Boxer-BMW war. Im Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (heute Palais am Festungsgraben) absolvierten Schulklassen ihre
Pflichtausflüge in die Kasachische Teestube, bekamen klebriges Konfekt und bei Gelegenheit auch Kosaken-Ensembles und einen tiefen Blick in die russische Seele auf der Balalaika
gezupft.

 

Die in der Schule oft gezielt angebahnten Brieffreundschaften mit sowjetischen Schülern schliefen in der Regel irgendwann wieder ein, die
Pflichtnachmittage bei der DSF versuchte man so gut es ging zu schwänzen. Ansonsten hatten Russen Tellermützen, hießen Breschnew oder Gagarin und waren weit weg.

 

Schuler zensiert/ gestrichen 

 

Auch bei gemeinsamen Manövern der NVA mit der „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ übte man meist ohne direkten Kontakt. „Die
Freunde“ galten als gnadenlos hart gedrillt, fuhren schon mal ohne Sicherungsseile mit ihren Panzern durch die Elbe. Bei der NVA zählten wir jede Patrone, mussten die leeren Hülsen wieder
abgeben, „die Koljas“ bekamen Munition als Schüttgut ins Käppi und schossen dementsprechend hemmungslos. Wer sich bei denen unerlaubt von der Truppe entfernte, hatte keine guten Aussichten.
Einen, den sie erwischt hatten, schleiften sie als blutiges Bündel davon. Sowas vergisst man nicht.

 

Wer vom „Reisebüro der DDR“ eine organisierte Reise in die UdSSR bekam, konnte dem straffen Besichtigungsprogramm von Mahnmalen und Sehenswürdigkeiten
mit etwas Glück auch hinreißend gastfreundliche „normale Russen“ kennenlernen, auch wenn diese in Wahrheit Kasachen, Ukrainer oder Georgier waren und auch so genannt werden wollten.

 

Schuler zensiert / gestrichen 

 

Es ist schwer zu sagen, ob der obligatorische Russischunterricht (regulär ab der 5. Klasse, Russischklassen ab der 3.) mehr zur Verständigung
zwischen den Völkern beigetragen oder mehr Aversionen geweckt hat. Ich selbst habe das Bimsen der sechs Fälle (die auch auf Zahlen, Namen etc. angewendet werden), in keiner guten Erinnerung. Der
Zwang führte zur Ablehnung, auch wenn ich heute erstaunlicherweise im entspannten Umgang mit der Sprache mehr Russisch verstehe, als ich dachte.

 

Vieles spricht dafür, dass nicht die verordnete deutsch-sowjetische Freundschaft aus DDR-Zeiten die Russland-Liebe der Menschen im Osten prägt, sondern
ein eher aktueller Trotz gegen die gegenwärtige Politik: Ist man gegen Merkel und die etablierten Parteien, dann ist man automatisch für Putin, für Orban, gegen Klimahysterie und
Migration …
Das Russland-Thema hat seinen Platz zwischen den Frontlinien der polarisierten Debatten gefunden. Ganz ohne Kasatschok und Kalinka.“

 

 Kurz vor Andruck, schnell … 

 

… der Kommentar von Julian Röpcke, hier leicht gerafft. Natürlich hat BILD-Chef Julian Reichelt, der Tee-Held von Damaskus, ihn aus der Pfingst-Ferne
diktiert, redigiert:  

 

Die Menschen im Osten hätten „eine eigene Meinung zum Thema Russland“, erklären Sachsens CDU-Ministerpräsident Kretschmer und andere

 

30 Jahre nach dem Mauerfall muss ich mir als Ostdeutscher also sagen lassen, wie „wir“ Ossis allesamt
denken und fühlen in Bezug auf Russland?

 

Fakt ist: Wladimir Putins Russland bricht konstant das Völkerrecht, es marschiert in fremde Länder ein, manipuliert Wahlen und bombardiert gerade wieder
Schulen und Krankenhäuser in Syrien.

 

Darüber sollten Kretschmer und Co. anprangern. Stattdessen verschanzen sie sich quasi zur Entschuldigung hinter irgendwelchen Befindlichkeiten bestimmter
Bevölkerungsgruppen in Ostdeutschland.

 

Wer die falsche Rücksicht mit Putin im Osten rechtfertigt oder hinnimmt, der holt keine Wähler zurück. Der macht sich mitschuldig.

 

Im Westen geht die Sonne unter …

 

Natürlich wissen der Herr und’s Gescherr, dass fast 40 Prozent der Ostdeutschen längst AfD wählen, seit Chemnitz sogar noch mehr. Und die meisten mögen
eben  Putin mehr als Moslem-Merkel … Und natürlich wissen sie auch, dass im Osten schon immer die Sonne aufging, nicht erst seit 1989 in Leipzig.
Und schon immer im Westen unterging. Besonders seit Merkels und Meute …

 

BILD über Ossi Schuler: „Der Autor, Jahrgang 1965, hat bis zum Mauerfall in der DDR gelebt“. Jau: Abi ging noch, dann aber Metallverarbeitung …
soweit die Füße im Arbeiter und Bauernstaat halt trugen. Erst in Deutschland Journalist von der Pike … BILD über Ossi Röpcke: Nichts. Aber bartels-news:  36, Berlin, Humangeographie, Soziologie, Eltern Geographielehrer … Ein Netz-Bösewicht über ihn: „Seine kühne Behauptung, er sei Journalist scheint er einzig
und allein aus seiner hobbymässigen Tätigkeit als Blogger und seinem eifrigen Twittern zu generieren“ … 

 

Noch Fragen? Keine, Euer Ehren Deutschland …

 

Julian Röpcke, wusste schon eine halbe Stunde nach dem MH17-Abschuss, dass es die Russen waren. Die Experten der Welt wußten es auch Jahre später noch nicht…

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