Immer weniger Langzeitarbeitslose

In Deutschland gibt es immer weniger Langzeitarbeitslose. Wie die Rheinische Post unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit schreibt, hat die Zahl der Langzeitarbeitslosen von 2006 bis 2018 von insgesamt 1,9 Millionen auf nur noch 748.000 abgenommen. Das ist mehr als eine Halbierung binnen zwölf Jahren – im Schnitt ein Rückgang um knapp 100.000 Langzeitarbeitslose pro Jahr.

Als Hauptgrund hierfür gilt allgemein die jahrelange Hochkonjunktur und die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften aller Art. Aber auch die Bundesregierung unterstützt die Rückkehr von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt – etwa durch das „Teilhabechancengesetz“, das seit Januar gilt und bundesweit für vier Milliarden Euro rund 150.000 Menschen zusätzlich in Arbeit bringen sollte, die nach maximal fünf Jahren von den Arbeitgebern als gut eingearbeitete Arbeitnehmer übernommen werden sollten.

Förderprogramme werden nur schwach angenommen

Allerdings berichtet die Welt unter Hinweis auf die Landesagentur für Arbeit in Hamburg, dass nur ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Gelder abgerufen wird: Von 30 Millionen Euro im Jahr, die durch das „Teilhabechancengesetz“ für Hamburg zur Verfügung stünden und mit denen 4000 geförderte Arbeitsplätze entstehen sollten, sei bisher nur ein Bruchteil abgerufen worden. Insgesamt zähle Landesagentur für Arbeit in Hamburg im Juni 2019 genau 117 geförderte Arbeitsplätze weniger (!) als im Oktober 2018. In ganz Deutschland seien es jetzt 3000 geförderte Arbeitsverhältnisse weniger als vor neun Monaten. Auch das vielleicht ein Indiz dafür, dass die Zahl der förderfähigen Langzeitarbeitslosen stark zurückgegangen ist – mithin also diejenigen, die im Hinblick auf ihre psychosozialen Umstände überhaupt noch in der Lage sind, irgendetwas zu arbeiten.

Gleichzeitig ist auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die über einen Ein-Euro-Job eine Beschäftigung aufnehmen, stark rückläufig. Sie sank von 836.333 Jobbern im Jahr 2006 auf 183.703 im Jahr 2018, wie die Rheinische Post weiter berichtet. Ein-Euro-Jobs sind sozialversicherungsfreie Tätigkeiten, die im öffentlichen Interesse liegen müssen. Laut Arbeitsagentur sollen diese Art Jobs eine Hilfestellung und Eingewöhnung auf dem Rückweg ins Berufsleben für Hartz-IV-Empfänger sein.

Ein-Euro-Jobs müssen passen

Der Erfolg von Ein-Euro-Jobs hängt nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern stark vom Einsatzfeld von Langzeitarbeitslosen ab. So hätten sich Einsätze von Frauen im Umfeld der boomenden Gesundheits- und Pflegebranche häufiger als tragfähigere Brücken in eine reguläre Beschäftigung erwiesen als etwa die Arbeit ostdeutscher Männer bei Umweltschutzprojekten und der Landschaftspflege. Das geht aus einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem vergangenen Jahr hervor.

Der Beitrag Immer weniger Langzeitarbeitslose erschien zuerst auf Bayernkurier.

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