Merkel will sich um das »Schicksal dieses Europas kümmern«

Seit Wochen und Monaten mehren sich die Gerüchte um einen vorzeitigen Abgang Merkels aus der Bundespolitik und einen Wechsel in die EU die Runde. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gibt Merkel selbst diesen Gerüchten neue Nahrung. Sie wolle sich mit noch größerem Einsatz als bisher für die Zukunft Europas einsetzen, lässt Merkel wissen. Aus der Sorge um Europa »entsteht bei mir ein noch einmal gesteigertes Gefühl der Verantwortung, mich gemeinsam mit anderen um das Schicksal dieses Europas zu kümmern«, sagt Merkel.
Im April hatte der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker diese Spekulationen ebenfalls massiv gefördert. Er könne sich vorstellen, so Juncker, dass Merkel nach ihrer Zeit als Kanzlerin eine Rolle auf europäischer Ebene übernimmt. So sei sie als Nachfolgerin des derzeitigen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk durchaus eine denkbare Kandidatin. Er, Juncker, könne sich nicht vorstellen, dass »Merkel in der Versenkung verschwindet«. Sei sei nicht nur eine Respektperson, »sondern ein liebenswertes Gesamtkunstwerk.«
Diskrepanzen mit dem einstigen Liebling Macron seien zwar existent, räumte Merkel ein. Doch das sei auch schon mit früheren französischen Präsidenten der Fall gewesen. Deutschland und Frankreich stimmten »in den großen Linien natürlich« überein und fänden stets Kompromisse. Die Unterschiede beruhten auch auf den stark voneinander abweichenden Ämtern. Sie sei als »Bundeskanzlerin einer Koalitionsregierung und dem Parlament viel stärker verpflichtet als der französische Präsident, der die Nationalversammlung überhaupt nicht betreten darf.«

• Weiterlesen •