Merkel empfängt Poroschenko

Die Ukraine steht vor einer politischen Zäsur. Bei der in zehn Tagen stattfindenen Stichwahl um das Präsidentenamt könnte der politische Neuling Wolodymy Selensky den Amtsinhaber Petro Poroschenko aus dem Rennen werfen. Im ersten Wahlgang erhielt der Herausforderer mehr als doppelt so viele Stimmen wie der aktuelle Präsident.
Poroschenko steht in seiner Heimat das Wasser bis zum Hals. Keine seines vollmundigen Wahlversprechen konnte oder wollte er umsetzen, die Menschen in der Ukraine haben längst die Nase voll von seinen Luftschlössern und leeren Versprechungen. Sie wollen die Veränderung, den Wechsel.
Doch Poroschenko hat gute Beziehungen ins Ausland. Vor allem Merkel hat sich in den vergangenen Jahren hinter ihn und seine Politik gestellt. Dies gilt und galt vor allem bezüglich der beiden Konflikte um die Krim und in der Ostukraine. Merkels einseitige Positionierung zu Gunsten der Ukraine kam allerdings nicht überall gut an.
Jetzt, wenige Tage vor dem drohenden Ende seiner Amtszeit, sucht Poroschenko noch einmal die Unterstützung Merkels. Die empfängt ihn heute um 13.00 Uhr im Kanzleramt, misst ihm damit außenpolitisch noch Bedeutung bei und mischt sich dadurch als Nebeneffekt in die Präsidentschaftswahl ein. Diesen Fakt allerdings versucht ihr Sprecher zu bestreiten. Es handele sich bei dem Gespräch nicht um eine Einmischung; stattdessen müsste unter anderem die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen besprochen werden. Zehn Tage vor der Stichwahl! Das Minsker Abkommen wurde am 11. Februar 2015 unterzeichnet.

• Weiterlesen •