Verschwörungstheoretiker jagen »neue Rechte«

Die »Goldene Hoftrompete« für den Monat März geht an zwei Aktivisten der ›Zeit‹, des »Antifa«-Kampfblatts für die gebildeten Stände aus der Hansestadt Hamburg. Christian Fuchs und Paul Middelhoff haben sich mit ihrer eifrig ausgemalten Verschwörungstheorie über »Das Netzwerk der neuen Rechten« gleich einen ganzen Strauß »Antifa«-Fleißbildchen verdient.

Was Fuchs und Middelhoff in ihrer Sammelwut zusammengebastelt haben, lässt sich sowohl in Buchform beim Rowohlt-Verlag als auch auf einer eigenen Internetseite bewundern – eine interaktive Karte mit den diversen »neurechten« Verschwörungsnestern ist selbstverständlich auch mit dabei.

Mit dem Schlagwort »neue Rechte« ist es freilich so eine Sache. Die meisten, denen dieses Etikett angeklebt wird, wollen damit gar nichts zu tun haben. Im Zweifelsfall ist »neue Rechte« eine Denunziationskappe, die man jedem aufsetzen kann, der irgendwie nicht-links ist und nicht in die Nazi-Nostalgiker-Schublade passt.

Ohne diesen Kunstgriff wäre auch der Verschwörungsatlas der beiden ›Zeit‹-Schnüffelnasen ziemlich dünn geworden. Damit eine einigermaßen gefüllte Deutschlandkarte mit »Thinktanks«, Medien, Parteien, »Verlagen«, Finanziers und »Kampagnen« zusammenkommt, müssen Fuchs und Middelhoff schon alles hineinpacken, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Auch eine Initiative gegen den zwangsgebührenfinanzierten Regierungsfunk muss da mit herhalten, und neben dem Dachverband »Deutsche Burschenschaft« listen sie auch noch ein Dutzend Einzelburschenschaften als »Thinktank«, selbst wenn in der ein oder anderen vielleicht mehr getankt als gedacht wird.

Für jede aufgelistete Organisation und Publikation führen die Neurechtenjäger sodann akribisch Buch, wer wen kennt oder mit wem schon einmal geredet oder etwas gemeinsam unternommen hat oder wer bei den einen und bei den anderen dabei ist.

Fleißig haben sie dazu auch noch Diagramme gemalt, wer alles mit wem zusammenhängt oder über Kreuz liegt oder in einem Abhängigkeitsverhältnis steht. Bei all den gepunkteten und durchgezogenen und mit Blitzen unterbrochenen Linien glaubt der arglose Leser am Ende tatsächlich, dass da irgendetwas ganz Finsteres im Gange ist.

Würde man freilich dieselbe Fleißarbeit auf linke, linksradikale, linksextreme, »antifaschistische« und sonstige Strukturen anwenden, käme man zweifellos auf ganz reale und wahrhaftig bedrohliche Unterwanderungsszenarien, zumal diese Strukturen aufs Engste mit staatlichen, halbstaatlichen und als »Nichtregierungsorganisationen« getarnten Strukturen eines »tiefen Staats« verflochten sind, der sich noch dazu großzügig aus öffentlichen Geldern bedient.

Wenn dagegen Fuchs und Middelhoff über die »neuen Rechten« raunen und darüber, »wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern«, läuft es am Ende immer darauf hinaus, dass engagierte Einzelpersonen, Bürgerinitiativen und unabhängige private Geldgeber dahinterstehen. Eigentlich also ein Kompliment, sofern man kein Sozialist ist, der felsenfest glaubt, dass Gutes nur vom Staat kommen kann.

Und die einzige Partei, die im Gemälde dieses »Netzwerks der neuen Rechten« vorkommt, ist, kaum überraschend, die AfD; lediglich die vernachlässigbare Abspaltung des ehemaligen Landeschefs der Sachsen-Anhalt-AfD steht noch mit dabei.

Damit ist die Stoßrichtung klar: Die wichtigste freiheitlich-konservative, nicht-linke Oppositionskraft im Land soll als Spinne im Netz einer gefährlichen Verschwörung madig gemacht werden. So etwas hören die Mächtigen natürlich gerne von ihren Hofjournalisten – wie viel Staatsknete fließt eigentlich in die »Antifa«-Aktivitäten der ›Zeit‹? –, und dafür gibt es selbstverständlich auch die wohlverdiente »Goldene Hoftrompete«.

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