Aktion an „taz”-Gebäude: Identitäre widersprechen medialer Darstellung

Die Identitäre Bewegung Deutschland fuhr am Montag in mehreren deutschen Städten eine Aktion mit dem Namen „Schreibtischtäter benennen”. Dafür plakatierten Sie an Redaktionsgebäuden und Parteizentralen. Ein Zwischenfall bei der Aktion in Berlin sorgt nun für Diskussionen.

Berlin. – Das Ziel der Aktion war nach Aussagen der Aktivisten „linke Gewalt symbolisch darzustellen”. Dafür brachten sie Plakate, darunter solche mit dem Konterfei des kürzlich durch einen mutmaßlich linksextremen Angriff schwer verletzten Bremer AfD-Landeschefs Frank Magnitz, an Fassaden an und deponierten mehrere typische Utensilien der linksautonomen Szene vor den Gebäuden. Als sie um ca. 7:50 Uhr morgens am Neubaugebäude der linken taz in der Friedrichstraße ankommen, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einer Mitarbeiterin der Zeitung.

Wirbel um angeblichen Angriff auf taz-Mitarbeiterin

Diese entfernte die Materialien der Aktion und verwickelte zumindest einen Aktivisten in ein Handgemenge. Kurz darauf berichtete die taz, die Mitarbeiterin sei beim Versuch das Anbringen von Plakaten zu behindern, attackiert worden. Ein Aktivist habe sie „am Hals angegriffen”. Mehrere Medien wie die Welt und RBB griffen diese Meldung auf und berichteten über den Vorfall.

Die Behörden ermitteln aufgrund dieser Geschehnisse wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Außerdem steht der Verdacht eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz im Raum. Da die Polizei ein politisches Motiv für möglich hält, übernahm der Staatsschutz unterdessen die Ermittlungen gegen drei Verdächtige. In Frankfurt verhinderten Beamten eine ähnliche Plakataktion am Redaktionsgebäude der Frankfurter Rundschau.

Identitäre widersprechen medialer Darstellung

In einer Stellungnahme kritisierten die Identitären diese Darstellung. Die Presseorgane würden durch Missachtung des „Zwei Quellen”-Prinzips ihre eigenen Qualitätsstandards konterkarieren. Um die mediale Behandlung weiter zu widerlegen, teilten die Aktivisten auf Twitter einen Videomitschnitt des gesamten Vorfalls. Tatsächlich zeichnet dieser ein gänzlich anderes Bild der Geschehnisse.

Man sieht wie die taz-Mitarbeiterin in aggressiver Manier die Materialien beseitigt und möglicherweise dabei sogar eine Aktivistin bedrängt. Daraufhin schiebt ein männlicher Aktionsteilnehmer die Mitarbeiterin des Blattes weg – allerdings ohne sichtbaren Angriff im eigentlichen Sinn. Diese wiederum packt diesen daraufhin kräftig am Schal und schreit ihn unentwegt an. Nachdem sie noch einige weitere Materialien beseitigt, geht sie ins Gebäude.


Dennoch änderte sich die Berichterstattung in der Folge nur unmerklich – auch wenn die taz die Stelle des angeblichen körperlichen Angriffs änderte. Weiter war etwa in der FAZ die Rede davon, dass die Aktivisten das Redaktionsgebäude „attackiert” hätte.

SPD-Fraktionschef: „Widerlich und kriminell”

Auch die Lokalpolitik reagierte mittlerweile auf die Aktion. Raed Saleh, der Berliner SPD-Fraktionschef verurteilte der Jungen Freiheit die Aktion scharf. „Angriffe” auf politische und journalistische Einrichtungen durch eine „rechtsextreme Clique” seien „widerlich und kriminell”. Weiters würden derartige Aktionen eine „rote Linie” überschreiten, der Rechtstaat möge sich „mit allen Mitteln wehren”.

Auch der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) schlug ähnliche Töne an. Die Identitären würden seiner Ansicht nach ein Deutschland wollen, in dem „Freiheiten und Grundrechte nicht mehr gelten”. Deshalb müssten sich „Demokraten quer durch alle Parteien und gesellschaftlichen Gruppen” dem entgegenstellen. Anhand welcher Anhaltspunkte er die Aktionen der patriotischen Aktivisten dementsprechend interpretierte, ließ Müller allerdings nicht anklingen.

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