120 Jahre 1. FC Nürnberg: Max Morlock – Der Größte aller Zeiten

Max Morlock beim Empfang 1961

Es war quasi so etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, das der 1. FC Nürnberg an diesem 1. Mai im Jahre 1940 erhielt. Dass es sich um eines der größten „Geschenke“ der kompletten Vereinshistorie handeln sollte, ahnte damals allerdings noch niemand. Drei Tage bevor der Club seinen 40. Jahrestag beging, war ein 14-jähriger Bub aus dem Stadtteil Gleißhammer als Vereinsmitglied aufgenommen worden. Sein Name: Maximilian Wilhelm Morlock.
Der junge Kerl hatte zuvor beim FC Eintracht Nürnberg mit dem Fußballspielen begonnen und schon seit Jahren, so erzählt man es sich heute, davon geträumt, einmal beim 1. FC Nürnberg zu spielen. Im Mai 1940 war es schließlich soweit. Es sollte der Beginn einer einzigartigen Beziehung werden, einer Geschichte, die einem kleinen Märchen gleicht und den Club-Fans bis heute als Inspiration und Antrieb dient.
Meisterschaft 1948 & Oberliga-Rekordspieler
Dass der junge „Maxl“, wie Morlock von allen genannt wurde, kein gewöhnlicher Fußballer ist, wurde den Beobachtern recht schnell klar. Schon mit 16 Jahren debütierte er in der ersten Mannschaft. Bei seinem ersten Titelgewinn mit dem Club erzielte er fast die Hälfte der 125 Tore selbst. Und mit nur 20 Jahren führte er den Club 1946 in der neu gegründeten Oberliga Süd direkt auf Rang zwei.
Der Club und Morlock waren in dieser Nachkriegszeit freilich eher eine Randnotiz, doch eine, die den Nürnbergern Ablenkung und Freude brachte. Nach Platz eins in der Oberliga 1947 folgte 1948 der große Triumph: Die erste gesamtdeutsche Meisterschaft nach dem Krieg ging nach Nürnberg. Der Club holte seine siebte Deutsche Meisterschaft und 100.000 Nürnberger feierten ihre Helden auf den Straßen.
Im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern sorgten Konrad Winterstein und Hans Pöschl für die Tore, der „überragende Mann“ (Fritz Walter) war Morlock. Und das auch in den Folgejahren. Kein anderer prägte die Oberliga bis zu ihrem Ende 1963 mehr als der „Maxl“ aus Nürnberg. Insgesamt sechsmal führte er den Club auf Platz eins und erzielte in 451 Partien unerreichte 286 Tore. “Er hat die Ärmel raufkrempeln können, er ist immer vorangegangen. Mit Leistung und mit Toren. Wenn er was gesagt hat, hat das gezählt. Er war ein absoluter Führungsspieler“, erzählt Horst Leupold, der Morlock noch als Spieler erlebte.
Weltmeister 1954
Es waren die Morlock-Jahre in Nürnberg – und schließlich auch darüber hinaus. 1950 debütierte er in der deutschen Nationalmannschaft, wurde zum Stammspieler, Leistungsträger, Anführer – und 1954 zum Weltmeister. Mit seinen Leistungen sorgte er zunächst dafür, dass sich die deutsche Elf durchaus überraschend ins Finale spielte und dort schließlich auch dank seines Tores zum 1:2 die schier übermächtigen Ungarn noch in die Knie zwang.
Von Kapitän und Legende Fritz Walter sind folgende Worte von damals über seinen Teamkollegen übermittelt: „Max war immer unsere Auffangstation des gegnerischen Angriffs. Er half mit seiner dynamischen Kraft in der Abwehr aus und war doch in allen entscheidenden Situationen wieder vorne mit dabei. Wenn ich mal den Kopf hängen lassen wollte, da riss mich der Max wieder mit. Er konnte einen Karren aus dem Dreck ziehen.“
Meisterschaft 1961 & Karrierende
Insgesamt 26 Länderspiele bestritt Morlock bis zu seinem Rücktritt 1958. Einer seiner größten Triumphe sollte aber noch folgen. 13 Jahre nach der letzten Deutschen Meisterschaft holte er den Titel 1961 erneut in die Noris. Mit 36 Jahren war Morlock noch immer Kopf, Herz und Seele des Teams, das mit „jungen Wilden“ wie Tasso Wild, Heinz Strehl oder Steff Reisch für Furore sorgte und Nürnberg zum insgesamt bereits achten Mal zur Fußball-Hauptstadt Deutschlands machte.
Im Mai 1964 beendete Morlock nach 900 Spielen und 700 Toren schließlich seine großartige Karriere endgültig. Eine Karriere, die ihn ob seiner Leistungen und Erfolge zur Club-Ikone schlechthin hat werden lassen. Bis heute unvergessen ist Morlock, der 1994 im Alter von 69 Jahren verstarb, aber vor allem auch wegen seines Auftretens, seiner Menschlichkeit.
Bodenhaftung und Bescheidenheit
„Ein Mensch ist keine Maschine“, habe er gerne gesagt, berichten ehemalige Wegbegleiter. Und so habe es in seiner Gegenwart stets „gemenschelt“. Nie habe er andere von oben herab behandelt oder sich als etwas Besseres gefühlt. Bodenhaftung, Bescheidenheit – davon war sein Handeln geprägt. Auch deshalb schlug er während seiner aktiven Zeit das eine oder andere finanziell lukrative Angebot ausländischer Vereine aus.
“Er war eigentlich ein Star, aber er hat sich nie so gegeben. Er war sehr bescheiden und hat sich nie besonders hoffieren lassen. Er ist auch nach dem Weltmeistertitel derselbe geblieben“, so Leupold. “Er hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Der Club war sein Verein und Nürnberg seine Stadt.”
Es sind die Leistungen und Erfolge, vor allem aber auch die Werte Morlocks, die den 1. FC Nürnberg geprägt und zu dem Verein gemacht haben, den unzählige von Fans seit Generationen lieben und verehren. Sie haben ihn zu einer Legende gemacht, zum größten Spieler, der jemals das Trikot des 1. FC Nürnberg getragen hat.
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