Widerstand gegen »Globalismus« und Welteinheitsbrei formiert sich

Es war ein Staraufgebot erster Klasse: Europäische Politiker und Konservativdenkende versammelten sich in Rom, um die Herausforderungen des internationalen linken Globalismus zu thematisieren und Lösungsvorschläge zu bieten. Zentrales Thema waren die Zusammenhänge der heutigen progressistischen Bewegungen und der Kommunistischen Regime der Vergangenheit.

Die Konferenz »Gott, Ehe, Land: Präsident Ronald Reagan, Papst Johannes Paul II. und die Freiheit der Nationen« versammelte viele Landesvertreter und Stimmen unter dem gemeinsamen Banner des »konservativen Nationalismus«.

Beatrix von Storch war für die Konferenz nach Rom gereist. Sie kommentierte: »Es war eine eindrucksvolle Veranstaltung, aus der ich vor allem eines mitgenommen habe: es gibt Hoffnung! Wir kämpfen nicht allein. Der globalen Bewegung gegen Nationalstaat, Souveränität und unsere westlichen Werte stellt sich eine große, kraftvolle Bewegung entgegen. Und: diese Bewegung wird jeden Tag größer und stärker. Die Stimmung war durchweg positiv. Es war einfach eine ausgezeichnete Mischung aus hochinteressanten Vorträgen mit der guten Möglichkeit, daneben auch bilaterale Gespräche zu führen. Diese Vernetzung ist wichtig.«

Inspiriert vom israelischen Autoren Yoram Hazony, Präsidenten des Herzl-Instituts, wurde die Konferenz von Chris DeMuth, dem ehemaligen Präsidenten des »American Enterprise Institute« und John O’Sullivan, dem ehemaligen Redenschreiber der britischen Premierministerin Margaret Thatcher organisiert. Hazony ist Autor des Bestsellers »Die Tugend des Nationalismus«.

»Wir werden Primitivlinge, ausländerfeindlich, paranoid und Rassisten genannt. Wir werden sogar Populisten genannt«, klagte DeMuth in seiner Ansprache und erntete wohlwollendes Gelächter aus dem Publikum. Die konservativen Nationalisten seien die »direkten Nachkommen und wahren Erben der glorious revolution«, die in den 80er Jahren den Eisernen Vorhang zu Fall gebracht hat.

Sprecher warnten vor einem »linken« Totalitarismus und erinnerten an die siegreichen Errungenschaften Papst Johannes Pauls II. die zum Fall des Kommunismus geführt hatten. Besonders wurde auf die Gefahr des Globalismus hingewiesen. Chrisopher DeMuth kritisierte das Weltwirtschaftsforum in Davos und die linksliberalen Angriffe auf Meinungsfreiheit und ehrliche öffentliche Diskussion.

»Mich hat die Aufbruchsstimmung [in Rom] beeindruckt, bei der katastrophalen Lage die zumindest wir in Deutschland gerade erleben. Die Dynamik und die Kraft und auch der Erfolg, mit dem Bereits in vielen Ländern für einen politischen Richtungswechsel gestritten wird,« so von Storch. »Wir haben große Unterschiede in Europa, die nur wir lieben und erhalten wollen. Aber vor allem eint uns, dass wir gemeinsam eintreten für Gott, Ehre und das Vaterland.«

Von Storch kommentierte auch die völlige Abwesenheit negativer Reaktionen: »Und leider muss ich sagen: mich hat beeindruckt, dass diese Veranstaltung ohne jede Art von Polizeischutz auskam. So eine Veranstaltung wäre in Deutschland undenkbar. Es gäbe kaum einen Veranstaltungsraum dafür zu mieten oder massive, vermutlich gewalttätige Gegendemonstrationen. «

Stargast Viktor Orbán wehrte sich gegen den Vorwurf »Populist« zu sein: »Ich erinnere mich, wie man in meiner Jugend Politiker, die ihre Versprechen nicht halten, Populisten nannte. Wenn Politiker hingegen seine Versprechen hält, dann hieß das Demokratie,« so Orbán. Er erntete wiederholt standing ovations und widmete der Konferenz eine gute Stunde seiner Zeit. Detailliert antwortete er auf Fragen eines Interviewpartners auf der Bühne und beschrieb seinen politischen Werdegang, seine Ideale und seine derzeitige Politik, sowie seine Strategie mit Kritikern in den Medien und in der Politik umzugehen.

Der italienische Historiker und Katholik Roberto de Mattei warnte vor einem voreiligen Siegesgefühl: »Wir dürfen uns nicht fürchten, zu sagen, dass der Kommunismus immer noch lebt,« so de Mattei, »denn obwohl die Sowjetunion zerfallen ist, infiziert die kommunistische Utopie wie ein Virus – ein kommunistischer Virus – immer noch die westliche Kultur, die Medien, Politik und die Katholische Kirche.« Vor allem warnte de Mattei vor einer Politisierung der katholischen Kirche, wie sie unter Papst Franziskus geschieht: »Der Papst ist zum Anführer der internationalen Linken avanciert,« so de Mattei.

Auch Alexander Tschugguel war unter den Teilnehmern. Tschugguel hatte während der Amazonas-Synode in Vatikan für Furore gesorgt, als er die Statuen der »Pachamama«-Göttin in den Tiber geworfen hatte, mit der Begründung, diese heidnischen Gottheiten hätten nichts in einer Kirche zu suchen.

Tschugguel kommentierte gegenüber Frei Welt: »Es war eine ganz interessante Mischung. Obwohl die Konferenz »national konservativ« hieß, war sie eigentlich gar nicht typisch nationalistisch – was mir auch überhaupt nicht liegt – sondern das konservative stand im Mittelpunkt. Ich hatte das Gefühl, das viele Gesprächsthemen offen auf der Bühne diskutiert worden sind, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Beispielsweise die Rede gegen die EU war ganz klar und ganz deutlich. Auch Robert de Mattei in seiner Funktion als katholischer Professor auftreten konnte, fand ich sehr beeindruckend. Es war insgesamt eine spannende Konferenz, die mir sehr gefallen hat.«

Für ihn war der zentralste Inhalt die »Souveränität« der einzelnen Staaten: »Es ging viel um Souveränität, um staatliche Souveränität. Die Staaten sollen sich gefallen lassen, zentralisiert und multilateralisiert zu einem Welteinheitsbrei zu verkommen. Das wurde von vielen auch Regierungsvertretern bestätigt. Sie wollen den globalistischen Ansatz völlig ablehnen und das kam in den Reden am meisten zum Vorschein.«

Der Name der Konferenz »Nationaler Konservatismus« empfand Tschugguel als weniger gelungen. Bei beiden Begriffen, sollte man besser differenzieren: »Ich bin der Meinung, dass der Begriff »konservativer Nationalismus« ein bisschen problematisch ist. Als traditioneller Katholik liegt mir weder der Begriff noch »konservativ« noch »national« als politische Motivation verstanden. Mir würde als Begriff »traditioneller Patriotismus« besser gefallen.«

Gerade Deutschland kann von den Inhalten der Konferenz profitieren, so Tschugguel: »In Deutschland kann man grundsätzlich sagen, dass das Staatsverständnis in der Zeit nach der Französischen Revolution – natürlich unterbrochen von den großen Kriegen und der Diktatur, die geherrscht hat – ein ganz anderes ist, als das vieler anderer Ländern. Deutschland hat etwas das wir als Österreicher oft als Staatssakralität bezeichnen. Dementsprechend ist es etwas widersprüchlich, wenn vom konservativen Nationalismus die Rede ist. Der Nationalismus, wie er in Deutschland im öffentlichen Diskurs verstanden wird, stammt aus dem 19. Jahrhundert und sieht die Nation definiert als eine Zugehörigkeit zu einem Volk. Und aus dieser Zugehörigkeit werden die Staatsgrenzen definiert. Diese ganze Nationalform hat dazu geführt, wie die Vaterlandsliebe, wie sie davor existiert hatte, eigentlich abgeschafft worden ist. Obwohl Deutschland heute kein vollendeter Zentralstaat ist, hat sich dieses Denken durchgesetzt. Nationalismus wird heute verstanden mit dem Nationalsozialismus und ist schlecht konnotiert.«

»Zudem kann der Begriff »konservativ« nur richtig verstanden werden, wenn er sich nicht auf eine bestimmte Ära in der Epoche der Weltgeschichte bezieht, sondern auf das Festhalten an »ewig gültigen« Prinzipien, die von Gott gegeben sind und diese »ewig gültige Ordnung« kann nicht gebunden werden, an eine bestimmte Zeit,« fügte er hinzu.

(jb)

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