Vorwahlen in New-Hampshire: Warum Joe Bidens Kampagne fast am Ende ist 

Von Jan Schneider | Mit Spannung erwartet wurden die US-Vorwahlen der demokratischen Partei im Bundesstaat New Hampshire, einem traditionellen Swing State, dh. einem Staat, der in Präsidentschaftswahlen fast immer umkämpft ist, im Gegensatz zu den ,,red-states“, in denen fast ausschließlich Republikaner Erfolge feiern, und den ,,blue-states“, ihrem demokratischen Äquivalent. Nun muss man zu Beginn sagen, dass New Hampshire ein sehr kleiner Staat mit geringer Bevölkerung ist. Doch wenn die Demokraten 2020 gewinnen wollen, ist jeder Staat wichtig. New Hampshire muss dabei unbedingt gehalten werden, 2016 ging der Staat nur denkbar knapp an Clinton.

Nach den Vorwahlen in Iowa konnten die dortigen Sieger Bernie Sanders und Pete Buttigieg einiges an Momentum aufbauen und transportierten dies auch nach New Hampshire: wieder gewann Bernie Sanders im popular vote hauchdünn vor Buttigieg, beide konnten 9 Delegierten für den Nominierungsparteitag im Sommer gewinnen. Platz drei ging überraschend an die als moderat geltende Senatorin Amy Kloubuchar aus Minnesota, welche auf knapp 20% kam. Abgeschlagen hingegen die ehemaligen ,,Frontrunner“, also führenden der nationalen Umfragen, die progressive Elizabeth Warren und ex-Vize Joe Biden. Beide konnten keinen Delegierten gewinnen und landeten unter 10%. Ein Armutszeugnis vor allem für Biden, welcher schon in Iowa den Umfragewerten entsprechend sehr schwach abschnitt und in nationalen Umfragen seine Spitzenreiterposition nach und nach an Sanders verliert.

Während Warren davon sprach, die Partei zu einen und Buttigieg und Sanders in einer Rede unterstützte, erwartete Biden das Ergebnis gar nicht ab und flog nach South Carolina, einem Südstaat und neben Nevada der nächste Vorwahlstaat. In South Carolina muss Biden gewinnen, in Nevada führte er lange, doch nun scheint ihn Sanders da zu überholen. South Carolina hat eine starke afroamerikanische Bevölkerung, die zu Biden, dem ehemaligen Vize Obamas hält. Doch auch hier schmilzt sein Vorsprung auf Sanders und den Unternehmer Tom Steyer, welcher außerhalb des Staates kaum eine Rolle spielt. Gewinnt Biden hier nicht, sollte er seine Kampagne aufgeben, zumal ab Super Tuesday Mike Bloomberg dabei ist, ein Multi-Milliardär aus New York und sozusagen der demokratische Gegenspieler Trumps, nur in etwas mehr Establishment. Bloomberg ist momentan dritter in nationalen Umfragen und gilt wie Buttigieg , Biden und Kloubuchar als moderat. 

Trotz seines Sieges hat Sanders wenig Grund zum jubeln. Die moderaten Kandidaten schnitten wesentlich stärker ab als die linken, 2016 gewann er New Hampshire ebenfalls, und das mit knapp 66% gegen Hillary Clinton. Nun holt er nur 26%.

Keine Spannung hingegen gibt es bei den Republikanern. Trump gewann alle Delegierte und bekam erstaunend viele Stimmen, mehr als doppelt so viele wie Obama 2012. Ein weiteres Zeichen dafür, wie enthusiastisch die Republikaner hinter ihrem Präsidenten stehen. Auf der anderen Seite jedoch ist kaum abzusehen, wer ihn im November herausfordern wird. Erreicht kein Kandidat zum Ende der Vorwahlen eine Mehrheit, droht Chaos auf dem Parteitag. Profitieren würde nur einer, und der sitzt im weißen Haus.

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