Länder wollen Lehrermangel beheben

Heute in BAYERN

Unterrichtsausfall, unbesetzte Stellen, fachfremde Quereinsteiger – der Lehrermangel ist in manchen Bundesländern inzwischen dramatisch. Wie viele Pädagogen bis zum Jahr tatsächlich 2030 gebraucht werden, wollen die Bildungsminister der Länder in der der Kultusministerkonferenz (KMK) jetzt festlegen. Sicher ist bereits: „Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden“, sagt der Chef der KMK, Thüringens Ressortchef Helmut Holter (Linke), in der dpa. Wichtig sei, dass alle Länder mitzögen, so Holter. „Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer“.

Zu viele Gymnasiallehrer

Die KMK-Prognose gehe von einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dem stünden jedoch nicht ausreichend Bewerber gegenüber. Jedes Jahr könnten Hunderte Lehrerstellen unbesetzt bleiben – vor allem an Berufsschulen und solche, die eine sonderpädagogische Ausbildung erfordern. Auch an Grundschulen gebe es erhebliche Schwierigkeiten. Bei Gymnasiallehrern gebe es hingegen einen „deutlichen Bewerberüberhang“.

Der Osten liegt zurück

Im Mai hatte die KMK eine Prognose vorgelegt, nach der die Zahl der Schüler bis 2030 um 278.000 auf 11,2 Millionen steigen wird. Der Deutsche Lehrerverband sieht vom bereits bestehenden Lehrermangel besonders die Grund- und Förderschulen betroffen, wie Präsident Heinz-Peter Meidinger der dpa sagte. Dramatisch sei die Situation oft in den Stadtstaaten, aber teils auch in den ostdeutschen Bundesländern.

Drei von vier Neueinstellungen in Berlin in Grundschulen sind Seiteneinsteiger.

Heinz-Peter Meidinger

Als Reaktion würden Klassen vergrößert und Unterricht verkürzt. Zudem würden die Länder versuchen, Pensionisten zu gewinnen, Studenten, Seiteneinsteiger. „Drei von vier Neueinstellungen in Berlin in Grundschulen sind Seiteneinsteiger“, sagte Meidinger. Viele würden mit einwöchigem Crashkurs an die Schulen geschickt.

Bayern geht voraus

Bayerns Kultusminister Bernd Sibler betonte angesichts dieser Entwicklung den Wert verlässlicher Personalplanung: „Wir haben in Bayern seit langem ein detailliertes Prognose-System, auf dessen Grundlage wir die Lehrerplanung vorausschauend angehen. Deshalb konnten wir auch zu diesem Schuljahr – im Vergleich zu anderen Bundesländern – alle freiwerdenden Beamtenstellen mit qualifizierten Lehrern nachbesetzen und sogar zusätzlich rund 850 Lehrerstellen für neue Aufgaben und Akzente schaffen und besetzen.“

Mit unseren Prognosen können wir unseren jungen Menschen, die sich für den Beruf des Lehrers interessieren, Orientierung geben.

Bernd Sibler

Auf der Grundlage dieser Prognosen wurden im Freistaat bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um dem wachsenden Lehrerbedarf Rechnung zu tragen:

  • Bereits zu diesem Wintersemester 2018/2019 hat Bayern 700 zusätzliche Grundschul-Studienplätze an bayerischen Universitäten geschaffen, um vorausschauend für Grundschul-Lehrkräfte zu sorgen.
  • Bereits seit einigen Jahren werden wegen des besonderen Bedarfs Realschul- und Gymnasiallehrkräfte für die Grund- und Mittelschulen weiter qualifiziert. Rund 840 Pädagogen haben diese Maßnahme bereits abgeschlossen, weitere rund 1.440 Lehrkräfte nehmen seit September daran teil. Ein vergleichbares Programm gibt es auch für Förderschulen.
  • Bayern richtet zudem fünf weitere Lehrstühle für die Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik an den Universitäten in München, Würzburg und dem neuen Standort Regensburg ein.
  • Mit einem Sonderprogramm voraussichtlich zum Schuljahr 2019/20 will Kultusminister Sibler Lehrern, die sich als Aushilfen bewährt haben, die Möglichkeit einer Verbeamtung eröffnen.

„Mit unseren Prognosen können wir unseren jungen Menschen, die sich für den Beruf des Lehrers interessieren, Orientierung geben, welches Lehramt in Zukunft gefragt sein wird“, so Sibler. Da junge Menschen das Recht auf freie Berufswahl hätten, könne es trotz vielfältiger Beratungsleistungen zum Beispiel der Lehrerbildungszentren zu einem Missverhältnis zwischen Bedarf und vorhandenen Lehrkräften kommen.

Demokratie-Erziehung im Fokus

Bei ihrer bis Freitag dauernden Sitzung wollen die Kultusminister auch Empfehlungen zur Stärkung der Demokratieerziehung in der Schule geben. Schüler, die sich gesellschaftlich engagieren – etwa in Jugendzentren, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im Naturschutz – sollten dafür im Zeugnis gewürdigt werden, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf die Beschlussvorlage der Tagung. Zudem sollten Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie stärker im Unterricht erörtert werden.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) forderte, es brauche beim Schulunterricht mehr Vergleichbarkeit, mehr Transparenz und mehr Qualität: „Offenbar gibt es erfolgreichere Länder und weniger erfolgreiche. Das zieht sich von den unverzichtbaren Grundfähigkeiten des Lesens, Rechnens und Schreibens bis zum Ganztag durch alle Themen.“ Die Ziele müssten die Länder in einem Staatsvertrag festzurren. Das CSU-regierte Bayern und das von Grün-Schwarz regierte Baden-Württemberg hatten bereits mehrfach auf verbindliche Bildungsstandards und den Staatsvertrag gepocht.

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