Familienforscher warnt vor negativen Folgen von Ein-Kind-Haushalten

WIEN. Der österreichische Familienforscher Wolfgang Mazal hat vor den negativen Folgen von Familien mit nur einem Kind gewarnt. Mit Blick auf die Forschung aus Asien sagte Mazal dem Standard, „daß ein Kind ein Risiko für die eigene Versorgung im Alter ist“. Dies gelte vor allem, wenn dem einen Kind etwas passiere. „Außerdem lastet auf den Einzelkindern, die heute alte Eltern haben, die ganze Verantwortung von Betreuung und Pflege.“

Doch auch für die Sprößlinge selbst sei das Ein-Kind-Modell nicht unbedingt vorteilhaft. „Vielleicht schadet es gar nicht, mit Konkurrenz schon zu Hause umgehen zu lernen. Die Chinesen nennen ihre Einzelkinder little princes. Sie sagen, daß sie zum Teil völlig auf Egotrip sind“, erläuterte der Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung.

China betrieb bis 2015 eine sogenannte Ein-Kind-Politik. Es gebe dort sogar die Befürchtung, daß die Ein-Kind-Generation ihre Eltern „im Alter vielleicht nicht nur nicht unterstützen, sondern vielleicht sogar Euthanasiedebatten führen“.

Ein-Kind-Familien dominieren

In Österreich wie in Deutschland dominiert die Ein-Kind-Familie. Laut dem Zensus 2011 des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden haben 52,5 Prozent der Familien in Deutschland ein Kind. Zwei Kinder fanden sich 2011dagegen in gut einem Drittel aller Familienhaushalte (35,9 Prozent). 9,1 Prozent der Familien hatten drei, 1,8 Prozent hatten vier Kinder.

Allerdings sind Statistiken über die Kinderanzahl von Familien nur bedingt aussagekräftig. Die Zahl der Ein-Kind-Haushalte ist immer relativ hoch, da auch Mehr-Kind-Familien zunächst Ein-Kind-Haushalte sind und dies auch am Ende wieder, wenn nur noch ein Kind minderjährig ist, alle anderen schon erwachsen und vielleicht eigene Familien gegründet haben. (ls)

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