Zweimal im Jahr kommt der Brücken-TÜV

Heute in BAYERN

„Wir investieren so viel wie noch nie in die Sicherheit unserer Brücken.“ Das betont Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner nach der Brücken-Tragödie in Genua mit mindestens 38 Toten. Tatsächlich hat Bayern sein Budget für die Instandhaltung für die Brücken im Freistaat schon seit Jahren deutlich hochgefahren: Seit 2012 wurden die dafür vorgesehenen Gelder auf 322 Millionen Euro im Jahr 2017 verdreifacht. 2018 werden diese Ausgaben noch einmal steigen, bestätigt Aigner: „Dieses hohe Niveau werden wir auch in den kommenden Jahren beibehalten.“

Höhere Belastungen für Bayerns Straßen und Brücken

Im Freistaat ist die Bayerische Staatsbauverwaltung zuständig für knapp 15.000 Brücken. 5272 Brücken Bayerns liegen an Staatsstraßen (36 Prozent), 5257 Brücken an Bundesstraßen (35 Prozent), 3610 an Autobahnen (24 Prozent) und 749 an Kreisstraßen (5 Prozent). Viele dieser Brücken wurden 1965 bis 1985 gebaut, als die Wirtschaft moderne Verkehrswege verlangte. In den vergangenen Jahrzehnten hat allerdings der Güterverkehr extrem zugenommen – nicht nur die Anzahl der Transporte, sondern auch ihr Gewicht: Während in den 50er Jahren das zulässige Gesamtgewicht noch 24 Tonnen betrug, sind heute 40 oder auch 44 Tonnen bei Container-Transporten möglich.

Der Freistaat hat seine Mittel zur Brückenerhaltung von 2012 bis 2017 auf 322 Millionen Euro verdreifacht.

Ilse Aigner, Bayerns Verkehrsministerin

Seit dem Ende der Teilung Europas und nun innerhalb geöffneter europäischer Grenzen ist auch Bayern ein viel durchfahrenes Transitland. Was dazu geführt hat, dass die Belastungen für die Verkehrswege – und deren Brücken – gestiegen sind. Und sie steigen weiter. Aigner: „Es ist daher erforderlich, ältere Brücken der Bundesfernstraßen zukunftsfähig zu machen. Daran arbeiten wir. Wenn wir neue Brücken bauen, ist ein Wachsen der Verkehre bereits berücksichtigt.“

Permanente Überprüfungen

Die Überprüfung der Brücken ist engmaschig. Bereits beim Bau werden Brücken in der statischen Berechnung mit Sicherheitsreserven bedacht. Alle sechs Jahre findet ein großer „Brücken-TÜV“ statt, eine Hauptuntersuchung. Speziell geschulte Bauwerksingenieure prüfen alle Bauteile auf „Herz und Nieren“. Sie erfassen kleinste Risse oder Schäden und dokumentieren sie sorgfältig. Damit werden Reparaturen vorbereitet und nachprüfbar gemacht.

Zweimal jährlich überprüfen wir jede Brücke auf Schäden.

Ilse Aigner

Drei Jahre später erfolgt eine weitere Untersuchung. Dazwischen wird jährlich eine Besichtigung und halbjährlich eine Beobachtung durchgeführt und dokumentiert. Aigner: „Zweimal jährlich überprüfen wir jede Brücke auf Schäden.” Brücken erhalten Zustandsnoten von 1 bis 4. Bei der Bewertung der Brücken in Bayern gibt es folgenden Stand (siehe Grafik): Von den Autobahnbrücken fallen 17,7 Prozent unter die Zustandsnote 3 bis 4, bei den Bundesstraßen sind es 7 Prozent, bei den Staatsstraßen 8,7 Prozent.

Wir tun hierzulande alles Menschenmögliche, um eine solche Katastrophe auszuschließen.

Ilse Aigner

Die schlechteste Note (4) bedeutet dabei keinesfalls, dass das Bauwerk einsturzgefährdet ist: Es bedeutet konkret, dass umgehende Reparaturen oder Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Nur in Ausnahmefällen gibt es Tempolimits oder Fahrverbote für schwere Lkw – solange die Brücke nicht saniert wurde. Eine reine Vorsichtsmaßnahme mit immer noch ausreichendem Puffer. Ilse Aigner betont: „Nach dem Unglück von Genua ziemt es sich nicht, mit der Angst von Menschen Wahlkampf zu machen und hektisch Sofortprogramme zu fordern. Wir tun in Bayern seit Jahren alles Menschenmögliche, um sichere Brücken zu gewährleisten.“

Unpassende Kritik

Auch der Bund hat die Mittel für die Instandhaltung der Bundesfernstraßen kräftig aufgestockt. Für dieses Jahr stehen 3,9 Milliarden Euro zur Verfügung – bis 2022 werden diese Mittel auf 4,4 Milliarden anwachsen. Hinzu kommen Mittel aus einem Sonderprogramm Brückenmodernisierung, das der Bundestag schon im April 2014 verabschiedet hat.

Wir haben ein System, den Zustand der Brücken genau zu analysieren mit Schnellprüfungen, aber auch mit ganz, ganz tiefgreifenden Prüfungen.

Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hält darum den Vergleich von deutschen und ausländischen Brücken für unpassend. Was in Deutschland als marode oder nicht ausreichend gelte, sei anderswo in einem guten Zustand eingestuft, sagte der CSU-Politiker dem Sender n-tv. Man habe in Deutschland zwar viele Brücken, sagte Scheuer, aber auch ein System, „den Zustand der Brücken genau zu analysieren mit Schnellprüfungen, aber auch mit ganz, ganz tiefgreifenden Prüfungen.“ Die nach dem Brückeneinsturz von Genua aufgekommene Kritik am Zustand auch der Brücken hierzulande bezeichnete Scheuer als „sehr typisch deutsche Diskussion“.

Der Beitrag Zweimal im Jahr kommt der Brücken-TÜV erschien zuerst auf Bayernkurier.


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